Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 10 (1928)
- Issue
- 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
- Article
- Martin Buber, ein Mann von fünfzig Jahren
- Date
- 1928-01-01
- Page
- 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Der junge Buber und der Herzische Zionismus sammen; die unbedingte Geistigkeit und Reinheit dieser Lebensführung und Arbeiterschaft am Ver-sinn-lichen des Menschenlebens durch den göttlichen Funken hat nur bei sehr Ressentimentkranken eine Abneigung gegen ihn zur Folge — zur guten oder bösen, jedenfalls nötigen Folge. Das Leben der Menschen in dieser Zeit saugt mit mächtigen Zügen, stößt mit mächtigen Stößen aus; aber es hätte keine Tiefe, wenn nicht hie und da auf der Erde Menschen säßen wie dieser Mann Buber in Heppenheim, und ihm seinen winzigen Jodgehalt gäben, ohne den es, ohne Feuer, Geist und zentrale Schöpferkraft, mechanisch so fortrollen müßte wie alle Betriebe der Betriebsamen, die zwar offenbar sein müssen, aber doch nur, um dem Menschen die Dringlichkeit seiner Aufgabe hier, auf Erden, vorzuführen. HANS KOHN 23er futtge 25uber unD Her ^er^lfd&e Zx*VLiäm\\ü Das neuzeitliche Judentum ist aus einer zweifachen Revolution hervorgegangen, die ungeachtet ihrer in die soziale Struktur des jüdischen Volkes eingebetteten Wurzeln Ausdruck eines geistigen Prozesses war. Renaissance und Reformation in Europa hatten für die Juden nicht die „Entdeckung des Menschen" bedeutet; als mittelalterliche festgeschlossene Gruppe ragten sie weiter in die neue Zeit hinein, traditionelle Gebundenheit bestimmte Art und Lebensweg eines jeden, in Europa weilend blieben sie Orient. Die Völker des westlichen Orients und mit ihnen die Juden hatten bis zur Renaissance die entscheidenden Schicksale des Abendlandes geteilt und mitbestimmt. Orientalische Weisheit, der Hellenismus, das römische Staatswesen, die Scholastik waren ihnen gemeinsam gewesen. Erst die Renaissance schuf die Trennung. Mit ihr lösten sich Spanien und Italien aus dem einheitlichen Mittelmeerkulturgefüge, von ihr blieben Rußland und der Islam wie die Juden unberührt und näherten sich der ebenso in traditioneller Erstarrung verharrenden indisch-ostasiatischen Welt. Renaissance und Reformation waren zwei Seiten des gleichen Prozesses: die eine bedeutete Erwachen des kritischen Geistes, der an überkommenen, bis dahin axiomatischen Grundlagen rüttelt, mutiges Setzen der Segel nach neuen Ländern der geographischen und der seelischen Welt, Anpassung an die durch Entdeckungen und Erfindungen sich ändernde wirtschaftliche und soziale Form der gesellschaftlichen Beziehungen, die andere eine neue Verinnerlichung des Glaubens, stille 5