Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 10 (1928)
- Issue
- 1 (1928) Sonderheft zu Martin Bubers fünfzigstem Geburtstag
- Article
- Martin Buber, ein Mann von fünfzig Jahren
- Date
- 1928-01-01
- Page
- 4 (sequence 4)
- Language
- German
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Arnold Zweig wesentlicher Daseinsgestaltung boten im Wort das jüdische Schrifttum, im Blut und in der Tat der jüdische Mensch: zurück zu den Quellen, vorwärts zu den Quellen, mehr war nicht nötig. Und das, genau das war der ganze Zionismus, vor dem die Juden, je heftiger sie das Jüdische an sich als Last und Laster empfanden, als vor einem Schreckbild und Popanz in die Öffentlichkeit der Länder und Heimaten flüchteten. Er erschwere, riefen sie, die Lösungen der Probleme in den Heimatländern! Aber da riß der Krieg sein Maul auf, und mit einem vierjährigen Höllengelächter fegte er die Scheinprobleme beiseite und zeigte den Europäern erst einmal, was wirklich Lebensfrage heißen dürfe. Plötzlich war Normalisierung der jüdischen Situation auf der Erde ein kleiner, nötiger Teilfall: die Lage der Erdbewohner selber zu normalisieren ward mit einiger Dringlichkeit ihnen nahegelegt; vertragen oder eingehen ist heute das klare Entweder-Oder zwischen allen Gruppen — sozialen, nationalen, religiösen, Minderheiten, Mehrheiten, Menschheiten. 3. In dieser Zeit begeht Martin Buber seinen fünfzigsten Geburtstag. Er sieht den Weg zur Einheit in unbeirrbaren Serpentinen vor sich. Sein Zurück hat sich längst in ein Voran aufgelöst. Die Arbeit einer Gelehrtenstube bekommt allgemach allmenschliche Verbundenheit: denn die Bibel richtig übersetzen heißt das Wesen aller Kirchen auf der Erde verwandeln, soweit sie auf der Judenbibel ruhn. Es wird Bub er längst klarer als wem auch immer sein, daß er dem Ausfechten dieses Gegensatzes nicht wird ausweichen können. Er wird in diesem Kampfe nicht allein sein, wie er überhaupt zwar stets für sich aber nie einsam, nie ohne Gesellschaft, nie ohne herzliche Gesinnung, die ihm, zuströmte, gewesen ist. Das Jüdische ist längst in seine breiteren Über-Ordnungen eingegliedert; achtungsvoll gehört, spricht er in der „Kreatur44 zu denen, die seine Kameraden sind. Die neue Gesamtausgabe der „Chassidischen Bücher" (bei Hegner) in ihrer sachlichen Schönheit gibt einem Teil seines Lebenswerkes auch sinnlich Abschluß, Fülle, ein entdeckter Kontinent. Die Bände der „Schrift", schmal und erfüllt von Wissen, Intuition und Sprachkraft — er geht zu den Quellen der Worte zurück, um die verborgenen Provinzen des Sinns zu erschließen — reihen sich einer neben den anderen, sicher eine der wichtigsten Unternehmungen in der Zone des Worthaften, die heute von einzelnen Menschen überhaupt vorwärtsgetrieben werden. Der Dichter in Buber, der Sprecher, der Wissende kommen endlich zur Befreiung, sie rinnen allgemach zu- 4