Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 4 (1927) Sonderheft Judentum und Christentum
- Article
- Christliche Stimmen über das Judentum [Rezension]
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 84 (sequence 2)
- Language
- German
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Bemerkungen Jeremias. Er sucht in langen einführenden Darlegungen die Entstehung der jüdischen Frömmigkeit unserer Tage dem Verständnis nahe zu bringen und gibt dann eine nicht allzu gelungene Schilderung der orthodoxen und chassidischen Religiosität. Den Leser werden mehr die Fehler, die dem Verfasser unterlaufen, interessieren als die Photographie der Wirklichkeit. Vorweggenommen sei hier nur die Bemerkung, daß, selbst unter Berücksichtigung, daß der Leserkreis vorwiegend christlich sein sollte, der Entstehung des Christentums und seiner Eigenart räumlich und der Bedeutung nach viel zu viel Gewicht beigelegt wird. Nun enthält aber die Arbeit Jeremias' so schwerwiegende Fehler und schiefe Urteile, daß wir nicht mit Stillschweigen daran vorbeigehen können. Ich will sie hier durchaus nicht in der Vollständigkeit aufzählen, in der ich sie festgestellt habe, und bin nicht sicher, daß auch mir nicht noch einige entgangen sind. Rah Aschi wird S. 18 als älterer Zeitgenosse Jochanans (doch wohl Rabbi Jochanans?). bezeichnet (übrir gens ist dort auch ein grammatischer Irrtum). Vielleicht liegt hier aber wirklich nur ein Flüchtigkeitsfehler vor, denn ich will nicht glauben, daß Jeremias nicht weiß, wieviel älter R. Jecha nan, der palästinensische Amoräer, ist. — Auf S. 19 ist mir völlig unklar, wen er unter „Ben Jehuda" versteht, der neben Maimonides „die Scholastik geschaffen hat". Etwa Jehuda ha-Levi? Dessen Vater hieß doch Samuel. Ben Jehuda ist doch wohl allein der Verfasser des „Thesaurus", der kürzlich starb. — Auf derselben Seite wird behauptet, daß der Haß der germanisch-romanischen Welt gegen die Juden schon in alter Zeit auf die Abneigung gegen die zersetzende Intelligenz und den Geschäftsgeist der Juden zurückzuführen sei. War damals die jüdische Intelligenz auch schon zersetzend? — Daß, wie auf S. 30 behauptet wird, die Aaroniden und Leviten auch heute noch das Recht beanspruchen, die Religionsbeamten „im engeren Sinne" zu stellen, ist mir unbekannt. Heißt etwa der Priestersegen eine beamtete Handlung? — Leider hält der reformierte Jude nicht mehr am Sabbath fest (ibid.). — Auf S. 21 ist ein sinnentstellender Druckfehler (orthodox statt liberal). Ibid.: daß das große Sündenbekenntnis nirgends von rituellen Vergehen spricht, stimmt nicht. Auf S. 2 5 findet sich ein unbegreiflicher Übersetzungsirrtum: Rofe chol bassar u-mafli laassoth heißt doch nicht: . . . und die Gebundenen freimachst!! — S. 27. Nicht alle Maggidim wandern; ibid. der seltsame Gebrauch des Begriffs Talmud- Thora-Forscher. — S. 3o. Abarjanim (nicht Abrajonim) sind keine Hedjotim (bei Jeremias Edjoten) Laien, sondern Gesetzesübertreter. — S. 33. Maror ist keine Bitter kr äuter brühet — S. 36. Der Vollmond kann schon aus grammatischen Gründen nicht Panim ha-Schem heißen (höchstens Pnej ha-Schern; ich kenne diesen Ausdruck nicht). Eine Misch na Sanhedrin IV, 5 des auf S. 44 angegebenen Inhalts (Milde usw. des Nichtjuden habe denselben Sühnewert wie fromme Handlungen des Juden an Altar usw.) existiert nicht. — Völlig mißverstanden und verkannt ist der Verkauf des Chamez vor Pessach und der Erub für Sabbath (was heißt übrigens Sahbatherweg?) — S. 48. Zinzum statt Zimzum ist wohl nur Druckfehler. — S. 49 verstehe ich nicht (dort ist vom großen Gebet für den Messias und die Staatsregierung die Rede). — Daß auch nach Auffassung der Kritik zu Jesu Zeit Tephillin gelegt wurden, dürfte doch absolut si- 84