Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 4 (1927) Sonderheft Judentum und Christentum
- Article
- Christentümer, Judentümer und die Wahrheit
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 83 (sequence 2)
- Language
- German
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Bemerkungen als eine Urkunde des Judentums, dieses als eine Urkunde des Christentums lese, um mir eine Meinung über Christentum und Judentum zu bilden. Was geht micli auch Christentum und Judentum an? Mich interessiert die Wahrheit; und nicht die Wahrheit des Christentums oder des Judentums oder des Buddhismus oder des ... — sondern die Wahrheit. Christoph Schrempf Christliche Stimmen über das Judentum 1. Judentum u. Christentum. Zwischen Orient und Okzident, von E. P r z y w a r a, S. J. (Stimmen der Zeit, 110. Band, 2. Heft, 1925, S. 81—99, Verlag Herder, Freiburg i. Br.). 2. Jüdische Frömmigkeit, von D. Dr. Alfred Jeremias, Prof. der Theologie in Leipzig. (Heft 2 der „Religionswissenschaftlichen Darstellungen für die Gegenwart", J. C. Hinrichssche Buchhandlung, Leipzig.) Beide Arbeiten greifen das jüdische Problem in sehr verschiedener Weise an. Przywara setzt sich mit den (übrigens durchaus nicht allen) jüdischen Theoretikern der Gegenwart auseinander, während Jeremias den Zugang zum Judentum aus Geschichte und dem religiösen Leben der Gegenwart, vor allem auf Grund von Eindrücken, die er gegen Ende des Krieges auf einer Studienreise im Osten (Polen) gewonnen hat, zu eröffnen sucht. G emeinsam ist beiden Autoren, daß sie den religiösen Gehalt und das Quäle des Judentums suchen und an seiner Eigenart den Wert bestimmen. Noch eine Tendenz ist ihnen gemeinsam, doch soll diese erst nach Abschluß der 6* Besprechung als ihr Ergebnis aufgewiesen werden. Der Wert beider Schriften ist durchaus ungleich. Przywaras Abhandlung ist mit gut eindringendem Verständnis, mit recht guter Beherrschung des einschlägigen literarischen Materials geschrieben: H. Cohen, B u b e r, B a e c k, daneben auch Rosenzweig, Klatzkin, Brod u. a. werden durchaus zutreffend dargestellt. Es erübrigt sich, diese fast den ganzen Aufsatz füllende Wiedergabe der Lehren der genannten Autoren, die ja dem Leserkreis bekannt sind, auch hier in extenso vorzuführen. Es genüge, daß er gerade B u b e r s Antithese vom Orient und Okzident ausgezeichnet darstellt, daß er die drei typischen Irrlösungen des Problems der Einheit, die indische, die europäische und chinesische, nennt und Bubers jüdische Lösung, die in Austragung, Umkehr, Entscheidung, in der Verwirklichung gipfelt, gut abbildet, daß er Hermann Cohens Lehre von Gott als Einzigem, dem reinen Sinn der „Idee4* und dem transzendenten Gott als Garanten der Immanenz der menschlichen Sittlichkeit exakt schildert. Viel Bewunderung und Wärme bringt er B a e c k entgegen, dessen Theorie von dem Judentum als Polarität in dreifachem Sinn (Sc h ö p f e r t um — Geschaffensein, Geheimnis Gottes: Ferne — Nähe, Gebot Gottes: unendliches Ziel — werdende Erreichung) mitgeteilt wird. Das Judentum sei, meint er zusammenfassend, der einzige Rahmen, der die Spannung zwischen okzidentaler Einheit des nie fertigen Einheitsschaffens und der orientalischen Einheit des ruhenden Einheitseins umschließe. Noch zweckloser als im Falle Przywara ist eine detaillierte Wiedergabe hei 83