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Der Jude · 1925-01-01 · 4 (1927) Sonderheft Judentum und Christentum · p. 51

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
4 (1927) Sonderheft Judentum und Christentum
Article
Der jüdische Erlösungsgedanke
Date
1925-01-01
Page
51 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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FRIEDRICH THIEBERGER Der fuDtrdje (trlifungtfgeöanfee Vorbemerkung: Jeder Vergleich religiöser Sphären setzt voraus, daß man von der intimen Wirklichkeit, mit der die Religionen die kleinsten Inhalte des Tages erfüllen, absehen lernt; daß man sozusagen nur den Sinn der menschlichen Haltung heraushebt und prüft Denn die religiösen Wirklichkeiten selbst lassen sich nicht untereinander kreuzen und in eine neue Reinheit bringen. Besonders dann nicht, wenn die religiösen Lebensformen mit ihrem Gefühlsniederschlag, und also mit ihrem Liebeswert und schöpferischem Antrieb, ihre geschichtliche Werdenslinie, die Intimität zeitlicher Verknüpfung bewahren. Nie wird es möglich sein, Fronleichnam in den Erlebniskreis des Jüdisch- Religiösen einzubeziehen, oder den Sederabend zu einer Lebensquelle christlicher Religion umzubauen. Nur nach einem gemeinsamen Auflösungsprozeß des Judentums und Christentums könnte aus einheitlichen religiösen Ideen, die lebensgestaltende Kraft besäßen, eine neue, aber nur eine religiöse Wirklichkeit entstehen. Trotzdem also nur eine Religionsschöpfung, nicht aber eine Religionsvermengung möglich ist, können Erwägungen über den abstrakten Sinn einzelner Religionen hohe Förderung im eigenen Bezirk bedeuten. Denn wenn es auch richtig ist, daß Lebensvorgänge, wie etwa Judentum und Christentum, sich kaum in einem bestimmten Zeitabschnitt gedanklich festhalten und gar endgültig formulieren lassen, so ist es doch unzweifelhaft, daß es Gedanken und gedankliche Anlässe gibt, die im dunklen Nährboden des wirklichen Daseins Keime verschütten oder entwickeln können. Es ist nun in der jüdischen Diskussion über den Sinn des Christentums und in der christlichen über den Sinn des Judentums eine merkwürdige Situation eingetreten: auf beiden Seiten wird das Christentum als der religiöse Höchstwert außer Frage gestellt und das Judentum an ihm gemessen, bestenfalls zu einer Ebenbürtigkeit mit ihm emporgedeutet Man stelle sich nun vor, es würde jemand das Umgekehrte wagen und das Christentum an die menschliche Idee des Judentums fast heranreichen lassenl Selbst in jüdischen Kreisen ist es Mode geworden, Jesus für den Erfüller der prophetischen Andeutungen zu halten! Die geistige Lebensrealität Europas, die von christlichen Menschen geschaffen ist und in der auch die Juden mitten drin stehen, hat den absoluten Wert der christlichen Idee zum Axiom erhoben. Es ist mehr für das Judentum als für das Christen-

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