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Der Jude · 1925-01-01 · 4 (1927) Sonderheft Judentum und Christentum · p. 4

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
4 (1927) Sonderheft Judentum und Christentum
Article
Gott und die Ideen
Date
1925-01-01
Page
4 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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Nathan Birnbaum Und nicht gibt es einen Gott, weil es eine jüdische und christliche Religion gibt. Gott ist nie Bestandteil einer Religion . . . Ja dann, wenn wir das gelten lassen, wenn wir an dieser Tatsachlichkeit Gottes orientiert sind, nicht mehr nur an unserem Judentum oder Christentum, dann ist eine Verständigung zwischen Jude und Christ möglich, weil es dann nicht mehr darauf ankommt, daß sie Jude und Christ sind, sondern darauf, daß Gott ist. Nicht nur i h r Gott ist, nein, einfach Gott ist Ein Blick auf unsere religiöse Vergangenheit belehrt uns darüber, daß wir das nie gelten ließen. Juden und Christen haben aus der Tatsache des wirklichen Gottes einen religiösen Glauben, eine Idee, ein Dogma und einen Lehrsatz gemacht. Sie glauben an Gott, jeder auf seine Weise, aber sie nehmen ihn nicht um seinetwillen ernst in ihrem Leben. Ihr Leben ist voll Unrecht und Sünde — und daneben steht ihre Religion, in welcher sie auch nur wieder ihre Ideen pflegen. Sobald wir anfangen, Gott um seiner selbst wichtig zu nehmen, verstehen wir, daß es bei Mose und bei Christus um Gott ging, nicht um Judentum und Christentum, daß Gesetz und Gnade Manifestationen Gottes sind. Und fassen wir da Fuß, dann sind wir eben gerade dadurch einig. NATHAN BIRNBAUM fTom erle&igten JuDentum1) Das jüdische Volk hat es zuerst erfahren: Die Sonderwirklichkeit des Göttlichen ist einheitlich, unteilbar. E i n Gott ist. Erst zu Ihm als Einem sind persönliche Beziehungen von äußerster Macht und Innigkeit möglich. Erst zu Ihm als Einem stürmt Sehnsucht über die bildhafte Welt hinweg, um sie dann mit seinem Lichte zu durchleuchten. Erst Er als Einer lehrt vorsichtigen Abstand gegenüber dieser Welt, ihrem Vergewaltigen und ihrem Verführen, gewinnen, lehrt das Sichsicherfühlen inmitten ihrer Schrecken, das stille, dankbare Genießen ihrer Schönheit als des Abglanzes Seiner Majestät, schließlich die Überzeugung vom göttlichen Sinn, der religiösen Verpflichtung und der gottesdienstlichen Weihe allen geistigen Schöpfertums und allen menschlichen Gemeinschaftslebens. Und endlich, nur auf Ihn als den Einen hinhorchend, wird die Seele hellhörig für jene geheimnisvolle Welle des Erbarmens und des Rechtes, die, von Ihm ausgehend, in die Sphäre der Menschen hinabrollt. Allerdings hat es tausend Jahre gedauert, bis im jüdischen Volke x) Teilweise aus einer größeren, in Arbeit befindlichen Schrift. 4

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