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Der Jude · 1925-01-01 · 4 (1927) Sonderheft Judentum und Christentum · p. 1

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
4 (1927) Sonderheft Judentum und Christentum
Article
Gott und die Ideen
Date
1925-01-01
Page
1 (sequence 1)
Language
German
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HERMANN KUTTER Öotc uns Die %üzzn Sie waren so freundlich, mich auf Ihre Zeitschrift „Der Jude" aufmerksam zu machen, in welcher Sie in bewundernswerter Hoffnungsfreudigkeit und Berge versetzendem Glauben die alte Meisterfrage: Ist es möglich, daß sich Juden und Christen nicht nur gegenseitig verstehen, sondern auch füreinander aufschließen?, an welcher schon so viele große Geister erlahmt sind, unserer Zeit aufs neue stellen. Sie tun es offenbar in dem Gefühl, daß unsere Zeit mehr als die frühere, durch all die schweren Erschütterungen, die unsere Kultur in ihren Grundfesten erzittern ließen, „der Not gehorchend", wenn ,,nicht dem eignen Triebe" für die tiefsten Probleme und Fragen aufgerüttelt worden ist in einer Krisis, welche ein, alte Dogmen, Standpunkte, Systeme zusammenhaltendes, Band nach dem anderen zerriß. Wer sollte, der nur einigermaßen diese Krisis miterlebt, nicht mit höchster Teilnahme auf Ihre Unternehmung blicken und ihr volles Gelingen wünschen! Ich bin daher gern und mit Freuden bereit, Ihrer freundlichen Aufforderung, meine Stellung zu derselben darzulegen, wenigstens in gedrängter Kürze, um Ihre Geduld nicht allzulange in Anspruch zu nehmen, nachzukommen. i. Judentum und Christentum! Ist es möglich, die ungeheure Fülle geschichtlicher, dogmatischer, kultischer, religiöser usw. Einzelheiten, die durch diese beiden Bezeichnungen vor unser Auge gestellt werden, in einer Idee zusammenzufassen, die ihr gemeinsames Wesen, den gemeinsamen Sinn ihres Daseins auszudrücken vermöchte? Denn darum handelt es sich doch. Judentum und Christentum sind doch nicht die tausend den Blick verwirrenden Einzelheiten innerhalb des jüdischen und christlichen Beligionsbetriebes, um mich so auszudrücken, sondern etwas viel Einfacheres. Die tausend Einzelheiten drücken ja immer nur, jede an ihrem Orte, ein und dasselbe Wesen des Judentums oder Christentums aus. Sie mögen vermehrt oder wieder vermindert werden — das hat mit dem eigentlichen Wesen der Religion, dem sie Ausdruck geben, nichts zu schaffen. Und ebenso klar ist, daß wir dieses Wesen in einer einleuchtenden Idee wiederzugeben imstande sein müssen, bevor wir daran gehen können, ein gegenseitiges Verständnis, eine gegenseitige Annäherung beider Religionen aneinander anbahnen zu helfen. 1 Der Jude, Sonderheft I

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