Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 1 (1916-1917)
- Issue
- Heft 9 (Dezember 1916)
- Article
- Juden - Polen - Deutsche
- Date
- 1916-12-01
- Page
- 577 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Juden — Polen — Deutsche 577 Verwaltung den einzigen Weg verschlossen, der zum beiderseitigen Verständnis führt. Zu gleicher Zeit aber konnten die Polen die ihnen verliehenen Freiheiten zur Eröffnung einer schamlosen Judenhetze benutzen, ohne daß den Juden die gesetzlichen Rechte gegeben worden wären, die allein ihre Vernichtung hindern können. Soll es dabei bleiben? Und soll später die Megillah von der Verfolgung der Juden durch die Polen im Weltkriege wirklich damit beginnen, daß es heißt: Wajhi bijme ha-Aschkenasim — Und es war in den Tagen der Deutschen? Die nationale Bestimmung der Juden, die harmonische Entwicklung des Landes Polen, die politische Lage Deutschlands verlangen die Festlegung und den Schutz der nationalen Rechte der Juden in Polen, wie sie den Schutz der Rechte der nationalen Minderheiten überhaupt verlangen, die unter polnischer Macht sein werden. Die nationale Bestimmung der Juden in Polen, die nur als Volk und auf völkischer Grundlage ihre Wesensart entwickeln und die hohen Gaben ausbilden und dem Lande nutzbar machen können, die ihnen zu eigen sind. Die harmonische Entwicklung des Landes, die nur gesichert ist in dem friedlichen Nebeneinanderwirken aller seiner Völker zum Besten des polnischen Staates, der nicht bestehen kann, wenn der Chauvinismus des Warschauer Stadtrates das Leitmotiv seines Auftretens wird. Die politische Lage Deutschlands, das, wie immer die endgültige Gestaltung der Dinge sein wird, an seiner Ostgrenze ein ruhiges und beruhigtes Gemeinwesen braucht, welches innerlich nicht zerrissen sein darf und stark genug sein muß, seiner Rolle als Vorposten Westeuropas gerecht zu werden, und dessen nationaler Drang gebändigt genug sein muß, um es in der Sorge für die gedeihliche Gestaltung seines Landes in den ihm gezogenen Grenzen einen würdigen und ausreichenden Gegenstand seiner Betätigung erschauen zu lassen. Dies alles aber ist heute abhängig von der Stellungnahme Deutschlands. Deutschland, die deutsche Verwaltung muß sich bewußt sein, daß auf ihr in erster Linie die Verantwortung für das gute Werden der Dinge liegt, daß es nicht genügt, die Polen, sondern die Völker Polens glücklich zu machen. Darum verlangen wir von Deutschland, daß es das Recht der nationalen Minderheiten bestätige und dafür sorge, daß an der Neugestaltung der polnischen Verhältnisse alle Völker Polens durch ihre legitimen Vertreter mitwirken können. Das heißt, daß auch die Juden gefragt und herangezogen werden müssen, die legitimen, das sind die gewählten Vertreter der Juden und nicht etwa die von den Polen untergeschobenen Nichts-als-Polen jüdischer Abstammung. Und sie müssen nicht nur gefragt, es muß auch zum Grundgesetz aller Gesetze gemacht werden, daß allen Völkern Polens — auch den Juden — ihr nationales Recht werde und ihr nationales Recht bleibe. So, aber auch nur so kann die polnische Frage gelöst werden in einer Form, die allen daran beteiligten Völkern Genüge tut: den Juden, den Polen, den Deutschen. ***