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Der Jude · 1925-01-01 · 3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum · p. 108

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum
Article
Juden als Soldaten
Date
1925-01-01
Page
108 (sequence 3)
Language
German
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Bemerkungen die Freude nicht mehr lange dauern würde, setzte ich ihn wieder auf ein anderes Pferd. Aber der Erfolg war der, daß sein Ansehen unter den Leuten und sein eigenes Selbstbewußtsein ungeheuer gewonnen hatten. Wenige Wochen später starb er an einer plötzlich aufgetretenen Lungenentzündung. Die ganze Schwadron bat, bei der Beerdigung folgen zu dürfen. Leider lehnten die Eltern ab, da der Verstorbene ausdrücklich gewünscht hatte, in aller Stille eingeäschert zu werden. Im Weltkriege hatte ich als Kommandeur der 14ten Dragoner einen jüdischen Einjährig-Freiwilligen Wolf aus Colmar im Elsaß in meiner ersten Eskadron. Der Chef lobte den Mann in jeder Hinsicht. Als ich bald darauf meinem Adjutanten sagte, daß ich die Absicht hätte, ihn zur Beförderung zum Offizier einzugeben, riet er dringend ab, weil das Offizier-Korps einen Juden nicht wählen würde. Ich versammelte bald darauf die Offiziere und sagte ihnen, daß in einem Kriege von solchem Ausmaß alle Kräfte des Volkes angespannt werden müßten, und dazu gehörten auch die Juden. Wenn wir Leistungen von ihnen verlangten, dann müßten wir ihnen aber auch Gerechtigkeit angedeihen lassen. Als Wolf später eine sehr forsche Patrouille durch den Kownoer Wald geritten hatte, schlug ich ihn zur Beförderung vor, und das Offizierkorps wählte ihn mit 80% der Stimmen. Der tapfere junge Offizier ist später als Führer einer M.-G.-Kompagnie an der Somme den Heldentod gestorben. Weiter gedenke ich während der Bzurakämpfe im Winter 1914/15 eines Einjährig-Freiwilligen Dr. Rawitscher, von Beruf Chemiker, vom Jägerregiment z. Pf. 3, unserem Brigaderegiment. Da ich die Brigade führte, hatten die Jäger mir ihn als Gefechtsordonnanz kommandiert. Als das Feuer gerade besonders lebhaft war, brachte er mir eine Meldung. Ich gab ihm in meinem Gefechtsstande den darauf basierten Befehl. Sofort wollte er wieder hinaus durch das Feuer laufen. Ich sagte, er solle noch etwas warten, bis das Feuer abflaue. Darauf er lächelnd: Ich bin hin durchgekommen, da werde ich zurück auch schon durchkommen. Später habe ich ihn aus dem Auge verloren. Ob er zum Offizier befördert worden ist, weiß ich nicht, ich habe es jedenfalls bei seinem Regiment energisch befürwortet. In diesem Zusammenhang muß ich auch der vielen mutigen Juden gedenken, mit denen ich heute Schulter an Schulter für denVölkerfrieden kämpfe. Bei der skrupellosen Kampfesweise der Nationalisten und Kriegsinteressenten gehört dazu nicht weniger Mut, als zum Durchlaufen des Sperrfeuers. Nach alledem glaube ich, daß die Juden sowohl in den Ländern, in denen sie heute leben, wie in dem, wo sie sich ein eigenes Heim gründen wollen, in soldatischer Hinsicht durchaus ihren Mann stehen können und werden, wenn man ihnen nur dieselben Gelegenheiten dazu bietet wie den anderen Volksgenossen. Freiherr von ScTioenaich, Generalmajor a. D. Für die Redaktion verantwortlich: Dr. Siegmund Kaznelson, Berlin-Charlotte nburg — Jüdischer Verlag, Berlin NW 7, Dorotheenstraße 35

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