Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum
- Article
- Juden als Soldaten
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 107 (sequence 2)
- Language
- German
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Bemerkungen in den Juden, die zum Heeresdienst eingezogen worden waren, eine Art von Trotz auslöste, nun gerade zu zeigen, daß sie auch auf diesem Gebiete Tüchtiges zu leisten vermöchten. Dieser Trotz konnte aber auch in das Gegenteil, eine gewisse passive Resistenz umschlagen. Wenn ich heute rückschauend sagen soll, welchen Eindruck auf mich als Soldaten die mir unterstellten Juden gemacht haben, so glaube ich das am besten tun zu können, wenn ich Typen zeichne. Ich will mit den schlechten beginnen. Als ich mich als Eskadronchef einmal mit den neu eingestellten Einjährig-Freiwilligen unterhielt, und dabei auch zu dem jüdischen kam, fragte ich ihn unter anderem auch nach seiner Konfession. Mosaisch, war die etwas zögernde Antwort, und dann weiter, aber ich beabsichtige, mich demnächst taufen zu lassen. Ich erwiderte darauf, wenn er glaube, mir dadurch wohlzugefallen, dann irre ersieh, mir sei ein Mensch, der zu seinem Glauben stehe, viel lieber als einer, der aus Zweckmäßigkeitsgründen ihn verleugne. Der Betreffende entpuppte sich im Laufe des Jahres als wenig sympatischer Mensch und als wenig brauchbarer Soldat. Unter den schlechten Typen muß ich eines Mannes gedenken, der eigentlich gar nicht Soldat war, der als solcher auftrat, und dabei sogar eine geschichtliche Rolle gespielt hat. Auf meiner Weltreise als Seekadett 1884^-1886 hatten wir an Bord der Elisabeth die erste deutsche Expedition nach dem unter deutschen Reichsschutz gestellten Südwest- Afrika. Darunter befand sich ein Herr Israel Siegmund, der sich dem Auswärtigen Amt als ehemaliger englischer Leutnant aus demAschantikriege vorgestellt hatte, und von ihm, das damals noch ungeschickter war als vor und im Weltkriege, als militärischer Fachmann und Afrikakenner der Expedition beigegeben war. Herr S. hatte zweifellos die Gabe, amüsant zu erzählen. Bald aber merkten wir, daß es ein Mann war, der die Eigenschaften in Reinkultur besaß, die man, größtenteils zu unrecht, als rein jüdische zu bezeichnen pflegt. Später stellte es sich heraus, daß es ein jüdischer Herr war, der niemals englischer Offizier gewesen war, niemals den Aschantikrieg mitgemacht hatte, und eigentlich umgekehrt Siegmund Isreal hieß. Aus dem Handlungsreisenden Siegmund Israel hatte er flugs den Leutnant I. Siegmund gemacht. Der Mann hat später mehrfach die deutschen Gerichte beschäftigt. Neben vielen Durchschnittssoldaten muß ich dann einiger besonders markanter tüchtiger Juden gedenken. In meiner Eskadron hatte ich einen Einjährig-Freiwilligen Landau. Er war militärisch, besonders reiterlich, wenig beanlagt, aber ein netter Mensch und pflichttreuer Soldat. In einem Gespräch unter vier Augen hatte ich ihn auf die Schwierigkeit seiner Stellung aufmerksam gemacht, und ihm geraten, zu versuchen, sich durch irgendeine Tat die Achtung der Kameraden zu erwerben. In seiner Rekruten-Abteilung war ein ziemlich schwieriges Pferd, das niemand recht reiten konnte. Als der Reiter sich wieder einmal mit dem Pferde veruneinigt hatte, richtete ich an die Leute die Frage, ob jemand freiwillig dies Pferd reiten möchte. Sofort meldete er sich. Ich befahl ihm, aufzusitzen, dachte aber in meinem Innersten, daß das kaum gut gehen werde. Aber siehe da, es ging, sogar recht gut, wenigstens die ersten Tage. Als ich merkte, daß 107