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Der Jude · 1925-01-01 · 3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum · p. 90

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum
Article
Gerechtigkeit
Date
1925-01-01
Page
90 (sequence 1)
Language
German
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Gustav Krojanker GUSTAV KROJANKER „<& ered) tfgf et ty/ Je komplizierter die Diskussionen werden, desto eher merkt man, wie einfach die Dinge im Grunde liegen. Man merkt, daß zwischen dem Judenjungenruf der Gasse und den gebildetsten Einwänden wohl der Unterschied des geistigen Niveaus besteht, aber gar keiner im Urgrund der Ablehnung und kaum einer im praktischen Nutzeffekt. Man muß sich einmal vergegenwärtigen, was letzten Endes zu Erörterungen wie der vorliegenden führt. Man ist als deutscher Jude herangewachsen und hat damit den Antisemitismus sicherlich nicht in seiner schlimmsten Form, aber empfindlich genug kennen gelernt. Am empfindlichsten vielleicht schon als Kind, wenn man eine Feindschaft um sich gewahrte, die gerade durch ihre Unverständlichkeit zur ersten bitteren Erfahrung wurde. Dann hat man sich daran als eine Lebenstatsache gewöhnt, hat es hingenommen, in allen Lagen um eine Stufe tiefer zu rangieren und hat zusammen mit der inneren Verletzung alle äußeren gar nicht geringen Nachteile als nun einmal gegeben betrachtet. Und wenn man sich auch inzwischen allerhand Theorien zurechtgelegt hat — viel verständlicher als in der Kindheit ist einem diese Feindschaft eigentlich nie geworden. Aber des Menschen Streben ist grenzenlos; und in der Erkenntnis, daß von der großen Masse nicht viel Antwort zu holen sein würde, hat man die törichte Illusion genährt, von den Gebildeten und Geistigen der Nation, die sozusagen schon von Amts wegen berufen sind, ihren Haß und ihre Liebe im Bewußtsein zu rechtfertigen, den ersehnten Aufschluß zu erhalten. So kam es zur Diskussion auch mit Oscar A. H. Schmitz. Was also hat uns nach ihm in die Lebenssituation geführt, in der wir uns befinden? Unser Verharren auf einer früheren Heilsstufe, unser hartnäckiges Vorübergehen am christlichen Gnadenerlebnis. Und alle Feindschaft, glaubet nur, wird gänzlich aufgehoben sein, wenn wir uns durch Einfühlung in jenes Erlebnis zu wandeln verstehen. Ich kann mir nicht helfen, aber mein Auf Schlußbedürfnis ist wenig befriedigt. Es sei denn, daß diese Antwort zu dem Schlüsse führt, daß das Unverständliche nicht verständlich gemacht werden kann, weil der letzte Urgrund dieser Feindschaft des Verstandes spottet und alle Rechtfertigungsversuche nichts sind als eine höchst zweifelhafte Brücke über dem dunklen Abgrund der Instinkte. 90

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