Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum
- Article
- Bericht und Berichtigung
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 88 (sequence 2)
- Language
- German
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Martin Buber er fragt, was in aller Welt die deutschen Proletarier, mit denen Landauer in großer, opfermächtiger Brüderlichkeit zusammenfühlte und zusammenlebte, ihn angingen, ihn, Landauer, der zeitlebens herzdeutsch und herzproletarisch empfand; wenn er dekretiert, daß der Martertod dieses Märtyrers, der wie Polykarp nicht floh, als ihm die ehrenvolle Flucht freistand, und das Bekenntnis zum Menschentum bis vors Angesicht seiner Mörder bewahrte, nicht mit dem Heldentod im Feld" (womit anscheinend nicht bloß der Tod der Zahlreichen, die nicht wußten, sondern auch der der Unzähligen, die nicht wollten, was sie taten, gemeint ist) ,,verwechselt" werden dürfe: dann brennt mir mein eigner Boden unter den Füßen, und die Wangen dazu. Mögen andere, denen Gustav Landauer weniger nah war und ist als mir, mit Oscar A. H. Schmitz darüber diskutieren, welche Juden erwünscht und welche unerwünscht seien! Ich vermag es nicht. Also berichtige ich nur noch, was eben berichtigt werden kann und muß: 1. Wegen der Pompejusgeschichte ist Schmitz subjektiv gerechtfertigt: er brauchte nicht von Mommsen auf die Quellen zurückzugehen. Objektiv bleibt bestehen, daß in unserer einzigen Quelle nicht zu finden ist, die Vertreter des Volkes vor Pompejus seien Pharisäer gewesen; das ist eine Historikerfolgerung, und eine immerhin problematische. 2. Schmitz schreibt: „Mit Buber Paulus als einen Pharisäer anführen, der den Messias erkannt habe, das ist nicht weniger als ein Bekenntnis zum christlichen Erlebnis." Ich aber habe nicht Paulus angeführt, sondern, was etwas ganz anderes ist, Paulus und Akiba. Wenn Paulus Jesus als den Messias „erkannt" hat, so hat Akiba Bar Kochba als den Messias „erkannt". Und dies von Akiba aussagen hieße also auch „ein Bekenntnis zum christlichen Erlebnis"! Jahrhundert um Jahrhundert der christlichen Ära hat es Juden gegeben, die zugleich, wie die Pharisäer, in der Überlieferung behaust waren und einen Menschen ihrer Zeit als Messias „erkannten". Hatten sie alle das christliche Erlebnis? Und heißt, von ihrem Messianismus berichten, sich zum christlichen Erlebnis bekennen? Das scheint mir denn doch der Widersinn selber zu sein! Das „christliche" Erlebnis sei dieses Immerwiederüberwältigtwerden vom eigenen Messiasglauben mitten in der Geschichtszeit? Doch wohl eher das jüdische, die eine Hälfte des jüdischen: die andere hatten nur die, welche ihr Überwältigtwerden überwältigten — um der wahren Welterlösung willen. 3. Schmitz schreibt: „Buber sagt, das jüdische Gesetz bedeute einen heiligen Verzicht auf das Unmögliche, während seine 88