Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum
- Article
- Zionismus und Rücksicht auf deutsches oder anderes Nationalgefühl
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 26 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3101111-3101214-3101218-3110418--7998-3110474- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Max Herzog zu Sachsen mir der Fall. Nur der Gedanke ermutigt mich, daß man hier sich offenbar vor die Absicht gestellt sieht, die verschiedensten Meinungen über die Dinge zu vernehmen, und daß daher ein jeder seine Ansicht zum besten geben kann, auch ohne auf dem Felde besonders kompetent zu sein. Man kann durch aufrichtig vorgebrachte Meinungen immerhin anregend wirken, und manche mögen dadurch zum Nachdenken getrieben werden und auf diesem Wege einen Nutzen empfangen. Ich hatte vor einiger Zeit auf Bitten der Wiener Neuen Illustrierten Zeitung" einen Artikel ,,Gedanken über den Zionismus" verfaßt (Nummer 51 vom 30. Oktober 1925), in dem ich meine Anschauungen, so weit sie diese Bewegung betreffen, zum Ausdruck gebracht habe. Seitdem haben sich mehrere Verfasser im gleichen Blatte unter demselben Titel „Gedanken über den Zionismus" zu der Angelegenheit geäußert. Zu meinem Erstaunen suchen zwei meiner Nachfolger (Prof. Dr. Theod. Nöldeke in Nr. 56 vom 10. April 1926 und Prof. Dr. Theod. Lessing in Nr. 57 vom 10. Mai 1926) zu konstatieren, ich hätte mich gegen den eventuellen Judenstaat in Palästina oder wenigstens gegen die Möglichkeit seiner Verwirklichung ausgesprochen. Dabei hatte ich doch deutlich genug hervorgehoben, ich sei für den Gedanken eines Judenstaats eingenommen und halte die dahingehende Forderung für gerecht und gut. Daneben habe ich bemerkt, es sei von christlicher, wie von arabisch-muhammedaniseher Seite ein Widerstreben gegen die jüdischen Niederlassungen und gegen eine Staatsgründung in diesem Sinne vorhanden. Ich habe gesagt, ich könne kein sicheres Urteil darüber abgeben, inwieweit die von dort stammenden Klagen gegen die Juden berechtigt seien, da ich seit vielen Jahren nicht mehr in Palästina gewesen sei, habe aber auf die bei dem Charakter der östlichen Völker nicht fernliegende Möglichkeit hingewiesen, die Beschwerden seien übertriebene oder unwahre. Im übrigen habe ich nach Kräften die Idee eines Judenstaates gegen Einwände zu verteidigen gesucht, und auch nicht mit einem Worte die Unmöglichkeit seiner Existenz behauptet oder auch nur angedeutet. Ich begreife nicht, wie ein aufmerksamer Leser meines Artikels etwas derartiges hat herauslesen können. Das gerade Gegenteil des Gewollten und Gesagten ist verstanden worden. Prof. Dr. Gustav Dalman, Greifswald, hat umgekehrt in der Nummer vom 25. Februar 1926 meine Absichten verstanden, aber bekämpft. Habe ich mich auch durchaus nicht Jahre lang in Palästina aufgehalten, so hat sich doch mein Studium und meine Arbeit seit langer Zeit und auf sehr eingehende Weise mit den Fragen des Ostens befaßt. Von ,,Unwissenden" zu reden erscheint darum nicht als der Gipfel 26