Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1925-01-01 · 3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum · p. 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
3 (1926) Sonderheft Judentum und Deutschtum
Article
Jüdisches Schicksal
Date
1925-01-01
Page
17 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3101111-3101214-3101218-3110416--7986-3110465
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Jüdisches Schicksal nach welcher das Christentum eine Art Fortsetzung oder gar Erfindung des Judentums sein soll. Es ist also aufzufassen als das grade Gegenteil zu den Büchern Hans Blühers oder Constantin Brunners. Die Bemühungen: Christus als Nichtjuden, als „arischen Siegfried" zu schildern (wie Blüher) oder aber ihn durchaus für das Judentum in Anspruch zu nehmen (wie Constantin Brunner das tut in dem Werke „Unser Christus") erscheinen mir beide gleich gezwungen, in Vorurteil befangen und — ein wrenig lächerlich. Für mich ist das Alte Testament heidnischer Naturmythos. — Parsismus und Judentum sind die beiden einzigen kümmerlichen Reste von Heidentum und Naturwelt, die sich zum Glück der Erde durch zwei christlich-buddhistische Jahrtausende gerettet haben; neben dem Hinduismus die einzigen vom europäischamerikanischen Ethos freien Mythen. In genau demselben Sinne wie die Religion des Brahma am Buddha zugrunde ging, ging auch das Judentum am Christus zugrunde. Das Auftreten beider, des Buddha und des Christus, bezeichnet die sieghafte Unterwerfung der Erde durch den Menschen: „Gott ward Mensch". Die gesamte [moderne Kultur und Zivilisation ist durchaus Produkt des Christentums. Zwei christliche Jahrtausende haben das Judentum bis zur Unkenntlichkeit verzerrt und entstellt durch ungeheure Massen talmudischer und rabbinischer Literatur bis hin zu den modernen Werken unseres Martin Buber oder Achad Haams. Ich betone auch an dieser Steile diesen Standpunkt so scharf, weil ich immer und immer wieder ihn mißverstanden und nur sehr langsam dämmern sehe, ein erstes Verständnis für die Wahrheit, daß die kapitalistisch-technische Kultur, die man so gern dem Juden schuldgibt, gerade das Produkt der christlichen Soziologie ist, daran das alte Judentum nicht minder zerbrochen ist wie beispielsweise der Kult Wodans oder die Wald- und Feldkulte der Cherusker oder Sachsen. Es heißt das Lügengewebe „Weltgeschichte" bis zum Tollhaus ausbaun, wenn man die Wundmale, die Europa den Juden schlug, in Schandmale umdeutet; wenn das Christentum, welches sie vernichtet hat, nun als ihr Werk gilt und wenn die für ihren Mythos blindgewordene Volkheit nun gar ihren Ruhm darin suchen möchte, die „Menschheitsgeschichte" der letzten zwei Jahrtausende, diese gräßliche Kette von menschlichen Räubereien und Erdauspressungen gemacht zu haben. Überlassen wir glücklicheren Völkern den Wahn, daß in ihnen und durch sie Gott das schrecklichste und leidvollste ward, was er überhaupt hat werden können: ein Mensch... £ Der Jude, IX, Sonderheft III. 17

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.