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Der Jude · 1925-01-01 · 2 (1926) Sonderheft Erziehung · p. 136

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
2 (1926) Sonderheft Erziehung
Article
Der Fremdsprachenunterricht im hebräischen Schulwesen Palästinas
Date
1925-01-01
Page
136 (sequence 2)
Language
German
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Bemerkungen die Beschäftigung mit fremdsprachigen Büchern zur Freude und nicht zur Last wird. Das Sprechen in fremden Sprachen, dem eine feste grammatikalische und literarische Grundlage fehlt, ist im Vorderen Oriente schnell zu erlernen, und es soll Ziel der Schule sein, die Grundlage und nicht so sehr das Sprechenkönnen zu vermitteln. Schon der Unterricht in unseren Elementarschulen muß mehrsprachig sein. Wenn der Schüler mit seinem vierzehnten Lebensjahr die Elementarschule verläßt, muß er auch in sprachlicher Hinsicht eine gewisse abgeschlossene Bildung mit sich nehmen. Dies bezieht sich auf die Stadt genau so gut wie auf das Dorf. Das in Palästina heranwachsende Kind spricht hebräisch als seine Muttersprache, wenn es mit sechs Jahren in die Elementarschule eintritt. Einen gewissen Reichtum an Worten bringt es selbst in die Stadt , wo die Verkehrssprache des Elternhauses häufig nicht die hebräische ist, aus dem Kindergarten mit sich. Die Erlernung mehrerer Sprachen schon im Elementarunterrichte ist eine durchaus erfüllbare Forderung, insbesondere da das Leben des Landes, in dem das Kind aufwächst, ihm diese Sprachen von selbst nahe bringt. In allen mehrsprachigen Ländern vermittelt der Elementarunterricht den Kindern die Kenntnis der Landessprachen und jüdische Kinder lernen unzweifelhaft schneller als andere. Von Beginn des Unterrichtes an muß als zweite Sprache das Arabische gepflegt werden. Es ist die Sprache der Mehrheit des Landes und der Bevölkerung der umliegenden Länder. Im täglichen Verkehr ist der Palästinenser vielfach auf sie angewiesen. Die Ausdehnung unserer Handelsbeziehungen und der Absatz der Erzeugnisse der jüdischen Industrie in Palästina wird sich vor allem auf den arabischen Orient erstrecken, die Kenntnis der Sprache ist dort die Voraussetzung der Kenntnis und Gewinnung des Marktes. Die Erlernung der arabischen Sprache wird aber auch die Kenntnis und das Verständnis der Formen und des Wortschatzes der hebräischen Sprache bei dem Schüler vertiefen. Die arabische Sprache wird bis jetzt in den jüdischen Elementarschulen des Landes überhaupt nicht, in den Mittelschulen nur in so ungenügender Weise gelehrt, daß den meisten Schülern selbst das Lesen arabischer Zeitungen Schwierigkeiten bereitet. Es müßte schon Ziel des Elementarunterrichtes sein, den Schüler soweit zu führen, daß er nicht nur geläufig arabisch sprechen, sondern auch die einfachere moderne Literatur lesen kann. Auf einer höheren Stufe des Elementarunterrichtes müßte dann die Erlernung der englischen Sprache hinzutreten. Englisch ist nicht nur die dritte Landessprache in Palästina, sie stellt auch das verbreitetste allgemeine Verständigungsmittel, auch in vielen Ländern des Orientes, dar. Durch die Kenntnis der englischen Sprache erlangt der Schüler ferner Zugang zu einer großen, alle Zweige des menschlichen Denkens umfassenden Literatur, die er weder in hebräischer, noch in arabischer Sprache findet. Wichtig ist, daß der Schüler dahin gelangt, daß das Lesen in lateinischer Schrift ihm nicht größere Schwierigkeiten bereitet als das Lesen in hebräischer Sprache. So gibt ihm der Unterricht in englischer Sprache auch die Grundlage zur Fortbildung in anderen europäischen Sprachen. Die englische Sprache als einzige europäische Schulsprache hat nur den Nachteil, daß ihre Grammatik eine außerordentliche formale Armut aufweist und daher in keiner Weise als eine Einführung in die Sprachformen der indogermanischen Sprachen an- J36

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