Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 2 (1926) Sonderheft Erziehung
- Article
- Die hebräische Sprache in Palästina
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 134 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Bemerkungen nasische Jude braucht, um mit dem sef ardischen oder jemenitischen zu sprechen. Dies ist natürlich keine Sprache. Sie könnte ebenso gut — vielleicht besser, jedenfalls fehlerfreier — durch Gebärden ersetzt werden. Aber nicht dies ist das Schlimme. Schließlich handelt es sich da nur um eine vorübergehende Generation. Das Schlimme ist die vollständige Beziehungslosigkeit zur Sprache. Selbst die Erwachsenen, die in den wenigen Orten — wie in einzelnen Arbeiterkolonien — gelebt haben, wo sie gezwungen waren, hebräisch zu sprechen und zu erlernen, erhalten dadurch keine Beziehung zum pulsierenden Leben der Sprache und sie bleibt auch ihnen ein Volapük. So hat sich im Lande eine sehr einflußreiche gesellschaftliche Schicht ausgebildet, welche allem, was hebräisch geschrieben, gesprochen, gedacht wird, fremd, manchmal mit Ressentiment gegenübersteht. Und obzwar die Einwanderung eine relativ starke Schicht von Intelligenz ins Land gebracht hat, kommt dies dem Lande nicht zugute, denn zwischen dem Lande und diesen Menschen steht die eiserne Mauer der Sprache. So bleibt eine letzte Hoffnung — nicht nur Palästinas, sondern, fast möchte man sagen, des jüdischen Volkes: die palästinensische Jugend. An ihrem Hebräisch begeistern sich alle schreibenden Touristen. Ist wenigstens da, wo nicht Sicherheit, so doch Hoffnung? Zweifel wollen auch da nicht verstummen. Wir haben manche gute Lehrer, welche den Kindern die Liebe und das Verständnis des hebräischen Schrifttums einpflanzen. Manche andere Faktoren geben Hoffnung: die orientalische Umwelt, das Arabische, die Freiheit, in welcher Kinder in Palästina aufwachsen. Aber eine Sprache ist Ausdruck gewisser Notwendigkeiten, und es ist fraglich, ob diese Notwendigkeiten da sind. Ökonomische Notwendigkeiten sind sicherlich nicht da — sie treiben zum Englischen, event. Arabischen, nicht zum Hebräischen. (Viele der oben genannten Erwachsenen, alte Zionisten, haben sehr gut englisch erlernt, als der neue Kurs kam, hebräisch nicht). Die Zionistische Organisation hätte es in der Hand gehabt, die jüdischen Gemeinden des ganzen Orients mit einem hebräischen Schulwesen zu durchsetzen und sie ebenso zu hebraisieren, wie die Alliance sie französisch gemacht hat. Dadurch hätte die hebräische Sprache — die schwerlich gegen die europäischen Sprachen, aber leichter gegen die orientalischen konkurrieren kann — eine breitere Basis gewonnen und die Kleinheit Palästinas wäre ausgeglichen worden — nicht zu sprechen von den großen politischen Möglichkeiten einer solchen Hebraisierung und Zionisierung. Aber die zionistische Schule in Damaskus, die man durch mehrere Jahre erhalten hat und welche die erste Etappe auf diesem Wege gewesen wäre, wurde aus finanziellen Gründen geschlossen. Niemand sah, welche großen Möglichkeiten damit preisgegeben wurden. Die ökonomischen Notwendigkeiten entschieden gegen das Hebräische. Sind geistige Notwendigkeiten da, die das Hebräische stützen? Wenige — aber viele, die vom Hebräischen wegdrängen. Die große geistige Tatsache der Religion hat ihre Kraf t verloren. So bleibt das Hebräische als Sprache der Bildung und der (europäischen) Kultur. Aber der Mangel an hebräischen Büchern zwingt uns geradezu, der Jugend, wenn wir sie nicht einem Fetisch zum Opfer bringen wollen, fremdsprachige Bücher in die Hand zu geben. Gibt es doch in den wichtigsten Fächern menschlichen Wissens kein einziges hebräisches Buch. Auch die Universität in Jerusalem, die sich durch die Schaffung solcher Bücher selbst die Grund- 134