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Der Jude · 1925-01-01 · 2 (1926) Sonderheft Erziehung · p. 120

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
2 (1926) Sonderheft Erziehung
Article
Erziehung zum Freigeist
Date
1925-01-01
Page
120 (sequence 3)
Language
German
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Bemerkungen der Jugend zu verwirklichen versuchen; denn Autonomie heißt Freiheit und Selbstverantwortlichkeit. Sie wird gegen engstirnige Beschränktheit des Nationalgefühls, gegen bornierte Parteidoktrin und gegen das Parteibonzentum, gegen Konvention und Überlieferung den Geistder Empörung wachrufen, der zu Welt bürgerlichkeit und nationalem, von individualistischer und kosmopolitischer Verfälschung weit entferntem Humanismus führt. Und sie wird schließlich nicht nur in der Freiheit, sondern auch im Geist ihr Hauptziel sehen, worunter (neben vielem anderen, hier nicht einmal Anzudeutenden), z. B. die Ablehnung der grotesken Prätention des körperlichen Sports und die Abwendung von dem im jüdischen Unterricht ebenso häufig dominierenden geistigen fällt. — Manch anderer Punkt dieses Erziehungssystems, vielleicht von gleicher Wichtigkeit wie die erwähnten, muß hier unerwähnt bleiben. Albrecht Hellmann Zum pädagogischen Problem der Bibel Eine alte, aber aus der Situation der Gegenwart immer wieder neu erquellende Frage der Erziehung und speziell der jüdischen Erziehung soll im folgenden nicht gelöst, aber zum Nachdenken gebracht werden — in dem Sinne, daß ihre Lösung wie die aller ernsten Fragen der Erziehung nicht eine „fachpädagogische", sondern eine menschlichste Sache wäre, wobei nicht zuerst der Hinblick auf erziehliche Wirkung, sondern die Einstellung unseres eigenen Wesens ausschlaggebend ist. Ist ja die geistige und seelische Welt der neuen Generation, soweit von uns ein Einfluß auf sie ausgeht und sie nicht ganz neue Impulse in sich trägt, konzentrierte Spiegelung und Fortsetzung der vorangehenden Generationen. Und dies bedeutet mit der menschlichen zugleich auch die historische Seite des Erziehungselementes: als eine gewisse Wiederholung der Vergangenheit zum Zwecke der Erneuerung, als ein nochmaliges Erringen des Gewordenen im Dienste des Werdenden. So steht auch die Einstellung zur Bibel heute an einem andern historischen Punkte als ehedem. Ihre verschiedenen Seiten könnte man — der Orientierung halber, ohne daß sie begrifflich völlig zu scheiden wären — als normative, historisch - kritische, ästhetische, nationale und mystische Betrachtungsweisen unterscheiden. Die erstere meint natürlich mehr als Befolgung des „gesetzlichen" Teiles der Bibel. Dieser Betrachtungsweise, deren volle Anwendung ja auch im Judentum nur ein Extrem bedeutet, ist die Bibel in toto, in Inhalt und Form, ein Unbewegliches, Absolutes. Absolut nicht nur ihr Gesetz, sondern auch die Treue aller ihrer, sowohl der mythologischen als der historischen Berichte, absolut und in diesem Sinne liturgischer Gegenstand auch die Bücher, die ganz aus individueller, religiöser Lebendigkeit entsprungen sind, wie die Psalmen, oder aus gedanklicher wie das Buch Kohelet. Im Prinzip entgegengesetzt ist die historische Betrachtungsweise, wie sie in der modernen Bibelkritik nicht zwar die richtigste, aber die methodisch konsequenteste Ausprägung gefunden hat. Ihr gilt die Bibel wesentlich als ein historisch Gewordenes; ja nicht nur die Tatsachen ihrer Entstehung, die Echtheit der Berichte und der Texte, unterliegen der Betrachtungsweise des bloß geschichtlichen oder literarischen Geschehens, sondern auch die „ewigen Werte" werden politischen, sozialen, im besten Falle äußerlich gefaßten religions- 120

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