Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 2 (1926) Sonderheft Erziehung
- Article
- Das jüdische Schulwesen in Litauen
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 98 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Jacob Robinson, ihre hebräischen Gymnasien. Es ist bemerkenswert, daß die Idee, in einem Galuthland ein hebräisches Gymnasium zu errichten, im Kopfe einiger einfacher Balebatim aus Mariampol entstanden ist. Ob dabei hauptsächlich negative Momente (das Litauische hatte keine Anziehungskraft, Russisch und Deutsch waren aus bekannten Gründen verpönt) mitgespielt haben, oder hauptsächlich positive (Hebraismus), läßt sich schwer entscheiden. Doch dürfte das zweite primäre, das erste nur sekundäre Ursache gewesen sein. Deutsche Juden haben in hervorragendem Maße am Aufbau des hebräischen höheren Schulwesens mitgearbeitet. Ich möchte nur die Namen von Max Mayer, Loewenherz, Joel, Henoch, Samuel, Samburski u. a. erwähnen. Es handelte sich hier vielleicht um den ersten praktischen Versuch, im Galuth Ost und West an einer gemeinsamen Sache arbeiten zu lassen. Es galt zwar, viele psychologische Hemmungen von beiden Seiten zu überwinden, doch die positiven Ergebnisse sind ein Beweis für das gelungene Experiment. — Leider ist jetzt die Anstellung eines ausländischen Lehrers mit großen Schwierigkeiten verbunden. Andererseits ist aber die Frage auch nicht mehr so aktuell: die Rückwanderung der litauischen Flüchtlinge aus Rußland brachte dem Lande wertvolle Kräfte, und es können auch schon die ersten Nachkriegsakademiker angestellt werden. Die litauische Universität sollte für die Vorbereitung von Lehrern für jüdische Gymnasien drei judaistische Katheder haben (für semitische Sprachen, Geschichte und Jiddisch), sie sind auch in den Statuten vorgesehen, trotz wiederholten Drängens aber bis heute noch nicht besetzt. Es würde zu weit führen, hier die Problematik des hebräischen Gymnasiums in der Diaspora ausführlich zu behandeln. Nur das besonders Wichtige soll hervorgehoben werden. Soll z. B. das hebräische Gymnasium ein Gymnasium mit hebräischer Unterrichtssprache, oder aber ein inhaltlich hebräisches Gymnasium sein? Vom Schreiber dieser Zeilen wurde der Gedanke eines jüdischen Humanismus propagiert. Im Zentrum des geisteswissenschaftlich orientierten Unterrichts sollen die großen geistigen Bewegungen der Menschheit stehen, die auf diese oder jene Weise mit den geistigen Bewegungen im Judentum verknüpft sind. Diese sind zu erfassen und in ihren Ausstrahlungen den Jugendlichen zugänglich zu machen. Diese Winke mögen genügen, um die Idee zu charakterisieren, die praktisch auf den Unterricht einer Geschichte und einer Literatur hinausläuft, in dem das Jüdische zwar hervorgehoben, aber im Universalen verankert wird. Die stärkere Strömung war die 98