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Der Jude · 1925-01-01 · 2 (1926) Sonderheft Erziehung · p. 86

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
2 (1926) Sonderheft Erziehung
Article
Das jüdische Mittelschulwesen in Polen
Date
1925-01-01
Page
86 (sequence 8)
Language
German
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IRI
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Arjeh Tartakower die größten Meinungsverschiedenheiten gibt. Eine annehmbare theoretische Lösung, an der heute viele hervorragende Persönlichkeiten des polnischen Judentums arbeiten, wird sich wohl am Ende doch finden lassen. In der Praxis wird gerade auf diesem Gebiete fast alles von der Umsicht des Lehrers abhängen, und so ist denn kaum anzunehmen, daß sich eine einheitliche religiöse Erziehung der jüdischen Jugend im obengenannten Sinne in absehbarer Zeit wird verwirklichen lassen. In vielen Beziehungen anders sind die Verhältnisse in den hebräischen Gymnasien. Der nationale Charakter der Schule läßt sich da viel leichter und viel natürlicher wahren, und es ist auch viel einfacher, ein gleiches Niveau der jüdischen Kenntnisse zu erreichen, da ja Hebräisch dort nicht nur die Unterrichtssprache, sondern auch die Umgangssprache von Lehrern und Schülern ist. Ist somit in den Mittelschulen mit polnischer Unterrichtssprache die Frage einer positiven jüdischen Erziehung die schwierigste, so rückt in den hebräischen Gymnasien das Problem einer modernen, den Vorschriften der Pädagogik entsprechenden Erziehung in den Vordergrund. Das Kind soll die Mittelschulerziehung in einer ihm anfangs fast ganz fremden Sprache genießen. Die Gefahr einer zu wenig pädagogischen Gestaltung des Unterrichts und dadurch einer geistigen Schädigung der Jugend ist von Anfang an gegeben. Fügt man noch hinzu, daß zur Zeit der Entstehung dieser Gymnasien so ziemlich alles gefehlt hat, was zu einer gedeihlichen Entwicklung der Mittelschule notwendig ist, also ein Lehrplan, entsprechende Lehrkräfte — ist ja hier außer der fachlichen Vorbildung und der pädagogischen Fähigkeiten noch die volle Beherrschung der hebräischen Sprache notwendig — und schließlich auch halbwegs entsprechende Lehrbücher, und daß all diese Mängel bis zrnn heutigen Tage nur in sehr geringem Grade überwunden worden sind, so wird man sich den Leidensweg einer hebräischen Mittelschule unschwer vorstellen können. Tatsächlich ist denn auch das pädagogische Niveau der meisten hebräischen Gymnasien kein besonders hohes. In schwerem Kampf heißt es, Schritt für Schritt auf diesem fast ganz neuen Gebiet vorzudringen. Die bisherigen Erfahrungen in Palästina sind leider in Polen, wo die Verhältnisse vielfach ganz anders liegen, wo es insbesondere keine lebende hebräische Umgangssprache gibt, nur in einem sehr begrenzten Umfang von Bedeutung. Auch auf dem Gebiete der Schaffung eines einheitlichen Lehrplans, der Vorbereitung von Lehrern und der Herausgabe von Lehrbüchern ist bisher bitter wenig getan worden. Jede Schule sucht mit mehr oder weniger Glück nach einer Lösung all 86

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