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Der Jude · 1925-01-01 · 2 (1926) Sonderheft Erziehung · p. 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
2 (1926) Sonderheft Erziehung
Article
Die Problematik der jüdischen Erziehung
Date
1925-01-01
Page
22 (sequence 13)
Language
German
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IRI
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Siegfried Lehmann und steigern den jüdischen Wert. Wir bleiben vor aller nationalen Enge bewahrt. Daß das Bekenntnis zur Sprache und die Arbeit für sie den Anfang der Tat bildet, wurde schon gesagt. Sie gibt die Möglichkeit, Bildung und Tat zu vereinen. Die Tat wäre sinnlos ohne die Sprache, und jede allgemeine Bildung würde sich ohne sie im Nicht wirkenden und daher Nicht wirklichen verlieren. Die schöpferischen Menschen im Judentum, die in fremden Kulturen geschaffen haben, kranken alle an jenem Mangel realen Seins; es fehlt ihnen die Kraft, die Lebensnähe, welche einzig und allein das innige Verbundensein mit dem Leben ihres Volkes ihnen verleihen könnte. Und schließlich: die Sprache ist konservativ und revolutionär zugleich. Wer in ihr lebt, hat das sichere Gefühl, im Überkommenen zu wurzeln; daß er immer wieder von neuem sie sich erobern muß, macht ihn zum Revolutionär, zu einem, der entschlossen ist, mit dem zu brechen, was von außen über ihn kommt, und der von innen heraus ein neues Leben beginnt. Es war früher von der Gefahr der Gegensätze im Judentum die Rede. Gegensätze müssen sein. Sie werden fruchtbar, wenn sie einem gemeinsamen Grundgefühle entspringen und wenn aus diesem Grundgefühl heraus jeder in Positivem seine Pflicht tut. Niemand kann, niemand darf in einer für alle gültigen Weise sagen, was Judentum ist und wie es weiter sein soll. Jeder aber hat das Recht, seine Deutung zu sagen, in seiner Art zu wirken, wenn nur dieses Sagen und Wirken sich mit der Achtung vor fremder Anschauung und vor fremdem Wesen verbindet. Wer das Hebräische als geistigen Wert will — und n u r der — ist im wahren Sinne ein Jude, er mag sonst denken wie er will. In unserem Volke muß für alle Anschauungen und alle Richtungen Platz sein. Die Gesamtheit aller Richtungen macht das Volk aus; sie allein sichert ihm eine geistige Entwicklung im Sinne jener jüdischen Idee, die jeder anders erlebt und die doch eine ist, eine Idee, die nicht allein gewußt und erkannt, sondern gelebt und verwirklicht sein will. SIEGFRIED LEHMANN ©on btt j©traf*enil)otri>e jur ©emetnfdjaft (Ans dem Leben des ,Jüdischen Kinderhauses" i?i Kow?io). Jetzt sind es bald zehn Jahre her, daß Gustav Landauer mit seiner Rede über Judentum und Sozialismus" das erste jüdische Settlements das Volksheim im ostjüdischen Viertel Berlins, eröffnet hat. 22

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