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Der Jude · 1925-01-01 · 2 (1926) Sonderheft Erziehung · p. 13

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
2 (1926) Sonderheft Erziehung
Article
Die Problematik der jüdischen Erziehung
Date
1925-01-01
Page
13 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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Die Problematik der jüdischen Erziehung Und so wie der Erzieher unter den Werten der Vergangenheit suchen und forschen muß, so muß er auch in die noch ungeborene Zukunft dringen. Das Bild, das er sich von dieser Zukunft macht, die Forderungen, die er im eigenen Namen und im Namen der Gemeinschaft an sie stellt, die Ziele, die nach seiner Überzeugung von ihr verwirklicht werden sollen — das alles hilft ihm, aus dem unendlichen Stoff, den die Vergangenheit seines Volkes an ihn heranträgt, das Brauchbare zu sichten und zu sieben. Auch bei anderen Völkern ist der Komplex dessen, was nationale Bildung ausmacht, einem steten Schwanken unterworfen. Das, was vor hundert Jahren zur Bildung gehört hat, ist heute vielfach vergessen, und anderes taucht empor, weil es mit dem Leben der Gegenwart innerlich verbunden ist. Bei uns fehlt das sichere Gefühl für den nationalen Wert, weil das nationale Leben fehlt. Der Stoff, das Gestaltete ist unermeßlich. Die Auswahl ist bei uns nicht Sache des ganzen Volkes oder solcher Einzelnen, die seine Vertreter sind; sie muß durch isolierte Einzelne vollbracht werden, die sich die Aufgabe gestellt haben, das Volk geistig aufzubauen. Ist, um konkret zu sprechen, die ganze Bibel nach Inhalt und Sprache geeignet und berufen, die seelische Welt des werdenden Juden zu sein? Wieviel vom Talmud ist für uns noch zu brauchen? Und geht uns nicht unendlich viel verloren, wenn wir den Talmud auch nur teilweise ausschalten? Klafft dann nicht ein Riß zwischen jener Generation, die noch vor kurzem im Judentum und an ihm schuf, und den jungen Menschen, die Palästina aufbauen, weil diese Menschen vom Talmud nichts oder nicht genug wissen? Wie ungebildet, wie bar jüdischer Kultur erscheinen dem Juden des Ostens, der im Talmud aufwuchs, jene Jünglinge, die moderne palästinensische Schulen besucht haben. Um noch ein Beispiel zu geben: Was bleibt von der ganzen Dichtung der Haskai ah übrig, wenn wir allgemein menschliche Wertmaßstäbe an sie anlegen? Und doch ist diese ganze Epoche national von höchstem Werte. Hier ist die Wurzel eines der schwierigsten Probleme unserer Erziehung, das ein Problem unseres ganzen Lebens ist: Wie ist jene menschliche Weite, die sich der westliche Jude durch seinen Eintritt in die europäische Kultur erworben hat, wie sind jene höchsten Wertmaßstäbe, die er an die menschliche Gesellschaft und an ihre Kulturschöpfungen anzulegen gewohnt ist, zu vereinen mit der naturgegebenen Enge nationalen Seins und nationaler Kultur? Bei einem normalen Volke bleibt der Einzelne, auch wenn er das höchste Menschentum erreicht hat, doch Angehöriger seines Volkes. Bei uns scheint höchste Kultur aus der 13

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