Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
- Article
- Der Jude im Kriege
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 117 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Port Arthur und Gallipoli (Aus den Tagebüchern) darüber urteilen wird, soll sich in Gedanken in meine Lage versetzen und dann erst sein Urteil über mich fällen. 5 Uhr nachmittags Die Mehrheit der Soldaten ist der Meinung, daß die Bestrafung mit Recht geschah. Ob einen Tag früher oder später —• sie war unvermeidlich. Wären heute nicht drei Mann bestraft worden, so hätte man morgen zehn bestrafen müssen, wobei jeder nicht 12, sondern 25 Hiebe erhalten hätte; vielleicht hätte man auch den oder jenen erschießen müssen. Jedoch es gibt auch Unzufriedene. Erstens möchte ja jeder von ihnen lieber weit weg von hier sein, und zweitens ruft jede Gewalttat* auch die unbedingt notwendige, eine Reaktion hervor (und muß sie auch hervorrufen). Unter den Franken *) spricht man davon, daß sie betrogen worden seien, daß man sie auch jetzt noch betrüge, daß sie sich rächen müßten (irgend jemand ermorden) usw. Viele von unseren Leuten warnten mich heute: „Hüten Sie sich vor den Frariken! Die haben etwas vor... " Ich lachte sie aus. Erstens sind diese Burschen Feiglinge; aber auch wenn ich das: nicht wüßte — mich darf keine Gefahr schrecken — nicht einmal der Tod. Ich ließ es ,,jenen" sagen und noch hinzufügen, daß ich solche Drohungen bestrafen würde.. . Im allgemeinen ist heute alles in Ordnung. Was getan werden muß, wird rasch und ohne vieles Reden ausgeführt. Die Disziplin ist, wenigstens für eine Zeit lang, wieder hergestellt. Nach der Exekution sagte der Oberst zu unseren Soldaten: „Ich selbst leide mehr darunter,; als jene, die bestraft wurden. Ich hoffe, es ist zum ersten und letzten Male geschehen.. Man spricht sehr viel über die ganze Geschichte. 17- 6. 71/2 Uhr früh Nachdem ich gestern den Sergeanten meine Instruktionen erteilt hatte, versammelten sie sich noch einmal. Sie beschlossen, einerseits eine strengere Disziplin durchzuführen und andererseits möglichst gerecht zu sein und in nähere und engere Beziehungen zu den Leuten zu treten. Wir waren früher viel zu weich und dies brachte die Leute in diesen Zustand der völligen Disziplinlosigkeit. Disziplin muß sein, denn ohne sie würden auch die besten Soldaten sich die schwersten Vergehen zu schulden kommen lassen. Seit gestern früh ist bis jetzt alles in Ordnung. Natürlich hört man noch allerlei Reden — die drei Bestraften sprechen von Rache usw. Das sind aber nur Einzelfälle. Die Mehrheit ist bestimmt ni^ht auf ihrer Seite. Ich bemerke eine viel bessere Ordnung, man schreit nicht so viel, es ist seit gestern nichts Strafbares vorgekommen^. x) Sephardim. — Anm. d. Übers. H7