Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
- Article
- Der moderne Jude und der Staat
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 110 (sequence 9)
- Language
- German
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Rudolf G. Binding jüdischen Volke zur seelischen Einheit und Ganzh:it, der Menschheit aber zum lebendigen Gewissen und zum Künder ewiger Wahrheiten werden soll. DER JUDE IM KRIEGE: I. RUDOLF G. BINDING Zwti fuiHfclje ©ffi^tttt im grogen %xiz%t Man wird den folgenden Stellen aus einem Buch kein besonderes Gewicht beilegen, wenn man die eine als flüchtige Erwähnung eines ausgezeichnet tapferen Juden und die andire als Anekdote über einen gleich Tapferen wertet. Man wird ihnen aber ihre Geringfügigkeit verzeihen und sie als auf einem gewaltigen Hintergrund stehend betrachten, weil sie Urkunden sind: während des Krieges und ohne Absicht einer Stellungnahme oder eines Urteils niedergeschrieben. Und als solche haben sie ein besseres Gewicht als manche vorsichtige, geklügelte und gewundene Ausführung zur jüdischen Frage. Ich habe einige unangenehme, eitle und feige jüdische Offiziere im Kriege gesehen, richtige Angsthasen; ich habe aber auch unangenehme, eitle und feige arische Offiziere gesehen, von denen man dann mit allem Recht, das diesem Ausdruck zukommt oder nicht zukommt, sagte, sie hätten eine Judenangst. Aber wer will entscheiden, ob nicht nur im allgemeinen die Arier die bessere Conduite hatten? Denn Angst hatten wir alle. Es handelte sich nur darum das Leben hatte, zu dem bei ihm sicher auch der Tod gehörte, leicht; spielend; lachend; manchen sehr schwer. Auch K. hatte Angst — wie ich wohl weiß: und war doch der Tapfersten einer. B. B. hatte wohl nicht einmal Angst; er liebte das Leben so sehr, so mächtig, so selbstverständlich und so gütig, daß er keine Angst um das Leben hatte zu dem bei ihm sicher auch der Tod gehörte. In meinen Aufzeichnungen „Aus dem1 Kriege" (als Buch erschienen bei Rütten & Loening, Frankfurt a. M. 1925) finden sich über die beiden Offiziere folgende Eintragungen: 24. März 1915. Die Ernennung von B. B. zum Offizier ist erfreulich. Doch muß er sich nicht nur gut und tapfer benommen haben — woran kein Zweifel ist — sondern seine Vorgesetzten müssen ihn auch durchgesetzt haben. Ich war in derselben Lage, einen Juden zum Offizier einzugeben, und hatte Mühe ihn durchzusetzen. Aber trotzdem ich voll übererzeugt bin, daß der Krieg die Beförderung von jedem der sich in hohem Maße auszeichnet ganz und gar recht- 110