Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
- Article
- Der moderne Jude und der Staat
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 109 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Der moderne Jude und der Staat lästina seit den Tagen, als der zweite Tempel in Trümmer gesunken war und die letzten Überreste des jüdischen Volkes als Flüchtlinge oder Gefangene das Land verlassen mussten, bis zu den Tagen, wo Kaiser Wilhelm IL durch die Triumphpforte in Jerusalem einzog und in Petach Tikwah, der jüdischen Kolonie, von Theodor Herzl begrüßt wurde. Und das Streben der Judin wird weiter nach Palästina gehen, wenn vom englischen Weltreich einst keine Spur mehr sein wird und Kanada, Australien und Indien ihr staalli hes Sonderdas; in führen werden. Palästina ist das ewige, unverlierbare jüdische Ziel, und keine vorübergehende Verknüpfung mit dem Lande, das zufällig gerade für eine Zeit, die lächerlich klein ist, gemessen an den Jahrtausenden jüdischer Geschichte, in Palästina, herrscht, kann unsere Zielsetzung heißen. Die dahin geht, daß nur ein jüdisches, ein hebräisches Judentum entsteht, das weder englisch noch französisch sein will, das es ablehnt, die politischen Geschäfte irgendeiner Macht oder Mächtegruppe zu besorgen und das — Schmarja Levin forderte aus dieser Stimmung heraus einst die Errichtung resp. Überleitung des Friedenspalastes nach Jerusalem, dem Orte, wo die Propheten den wahren Völkerbund gelehrt haben — nur die hohe Mission djs Friedenskünders und des Bringers der sozialen und politischen Gerechtigkeit sein will. Die vielen deutschen Männer jüdischer Art, von denen Rathenau und Preuß nur ein paar Namen sind, deren das deutsche Volk immer dankbar wird gedenken müssen, waren nur deshalb möglich, weil noch bis vor hundertzwanzig Jahren es auch in Deutschland ein in sich festgefügtes, nach eigenen Sitten und in eigener Art lebendes Judentum gegeben hat, von dessen Geisligkeit und aufgespeicherter immenser Kraft die Nachkommen zehren. Wir brauchen neue jüdische Kraftreservoire. Palästina wird ein solches Reservoir, wird nach dem Zerschlagen und Zerbrechen der vielen jüdischen Kraf tstalionen im Osten Europas durch den Weltkrieg jstzt das grösste werden. Als deutsche Juden, die wir mit Treue und Begeisterung der jungen Republik und dem schwergeprüften, furchbar geschwächten Volke dienen, die wir aber mit der Glut einer dreieinhalb lausend jährigen Geschichte, einer Geschichte voll von Blut und Leid, aber auch voll von unerhörter Hingabe und Aufopferung an unssrem Judentum, an seiner Gotteslehre und am, jüdischen Volke hängen, blicken wir mit Stolz und Liebe nach Palästina herüber. Nach dem neuen Palästina, in dem auf einem Boden, auf dem uns jedes Stückbreit teuer ist, ein Werk entstehen soll, das den jüdischen Namen in der Welt wieder adein — welcher Deutsche, der heut3 am Wiederaufstieg seines Landes arbeitet, hätte nicht Verständnis dafür? — und das dem lO()