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Der Jude · 1925-01-01 · 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum · p. 96

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
Article
Nachwort zur Bernstein-Shaw-Kontroverse
Date
1925-01-01
Page
96 (sequence 1)
Language
German
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Bernard Shaw j&adjtuotrt %nt UScvnftcitit&fyawtJI&ontvottcrfe (Ein Schreiben an die Redaktion „Der Ja de"). Es ist für einen britischen Schriftsteller immer schwer, Mißverständnisse auf dem Kontinent zu vermeiden, wenn er eine Bemerkung über die Juden macht Denn in England gibt es keinen Antisemitismus, der ihn zwingen würde, den Gegenstand mit dem größtmöglichen Zartgefühl zu behandeln. Es gibt in England sicherlich ein Massenvorurteil gegen Juden, ebenso wie es hier ein Massen Vorurteil gegen Schotten, Iren, Walliser und alle Fremden gibt. Es gibt ständige Witze über die Habsucht des Juden, ebenso wie es solche über den Geiz des Schotten gibt. Der Jude wird mit einer hetitischen Nase karrikiert, ebenso wie der Ire mit dem Maul eines spanischen Maultiertreibers. Aber das ist kein Antisemitismus, so wenig wie es antispanisch oder antikaledonisch ist. Als Charles Dickens vorgeworfen wurde, er habe das jüdische Volk dadurch beleidigt, daß er einen der beiden Verbrecher in seiner Geschichte von Oliver Twist zu einem Juden gemacht habe, war er über diese Beschuldigung so bestürzt, daß er in einem späteren Buche einen anderen Juden als Cluster aller Tugenden darstcllte- Da keiner der beiden Charaklere spezifisch jüdisch und der eine Verbrecher (der einen irischen Namen trug!) der weitaus angenehmere von dem Paare war, hatte weder die vermutete Beleidigung noch die Korrektur irgendeine Bedeutung; aber diese Begebenheit zeigt, was ein Mann des öffentlichen Lebens in England empfindet, wenn man ihn des Antisemitismus bezichtigt. England, von Kindheit an im Alten Testament erzogen, ist zionistisch und akzeptierte Disraeli als Premierminister (in den Tagen, ais Premierminister große Männer waren) ebenso bereitwillig wie Rothschild als Bankier. Versuche, den Antisemitismus als eine literarische Richtung in London einzuführen, wurden von katholischen Schriftsteilern unternommen, die sich — in einem protestantischen Lande lebend — verpflichtet fühlten, katholischer zu sein als der Papst. Sie haben in G. K. Chesterton einen neubekehrten und erstaunlich eifervollen Anhänger des Katholizismus, einen Vertreter von erstrangiger literarischer Begabung und unanzweifelbarer Ehrlichkeit. Aber als Mr. Chesterton nach Jerusalem ging, um dem Zionismus zu fluchen, hätte das Buch, das er darüber schrieb, ebenso gut vom Propheten Nehemia geschrieben sein können, und es ließ seinen Autor als einen unbewußten Zionisten erkennen, einen viel größeren als jeder Jude, mit .dem ich jemals über diese Sache gesprochen habe. 96

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