Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
- Article
- Die Brücke
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 84 (sequence 9)
- Language
- German
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Jakob Wassermann melier Ausdruck seine Stellung zu Christus selber ist — dazu ist der Deutsche nicht kraft seines ursprünglichen Wesens befähigt, das so tief zeitlich und kriegerisch bestimmt ist, sondern nur durch den ihm in seiner Geschichte selbst geschehenen Anschluß an ein Leben im Ewigen: durch das Christentum.—Damit kehren wir zum Ausgang zurück: die Verständigung und Versöhnung des Deutschen mit dem Juden ist möglich nur auf dem Boden der Religion. Und so weit ab auch die zahllosen Tagesfragen politischer und sozialer Art von diesem, glühenden Kern des Problems liegen mögen — wie sich nur aus dem Mittelpunkt das Leben aller Erscheinungen bildet, so ist es auch nur ans dem Mittelpunkt in seinem wirklichen Leben zu begreifen. JAKOB WASSERMANN ©er 3)uöc öetr BeftCmmung Ein Brief Sehr geehrte Herren, Ihre Zuschrift selzt mich, wie alle ähnlichen Forcierungen dieser Art, die ununterbrochen an mich gerichtet werden, in umso größere Verlegenheit, als mir daran gelegen gewesen wäre, gerade Ihnen dienlich zu sein. Doch ich müßte auf den Hauptteil meiner produktiven, meiner eigentlichen Arbeit verzichten, wollte ich mich parat halten, zu diesem von Ihnen aufgerührten, zweifellos schwierigsten aller Probleme immer wieder Rede zu stehen. Ich habe ja, was mir auf dem Herzen lag, in meinem Buch „Mein Weg als Deutscher und Jude" ausführlich und ausdrücklich und, ich glaube, mit alier wünschenswerten Klarheit dargelegt. Es ist wahr, daß mich die Sache nicht ruhen läßt, auch nach dieser Schrift nicht; in den letzten Jahren hat sich in meiner Stellung zum Judentum wie zum Deutschtum vieles und in für mich entscheidender Weise verändert, aber es ist mir, auch meiner nach üb erstandener Krankheit nicht ganz gefestigten Gesundheit wegen, unmöglich, mich darüber essayistisch oder redend zu äußern. Es ist. als würde mir befohlen, einen Berg aufzuheben und an einen andern Ort zu tragen. Es besteht bei mir der Plan, in einem großen Romanwerk die Frage noch einmal mit ihrem ganzen Ernst, ihrer ganzen Dringlichkeit und Schicksalsfülle zu entfalten und — zu gestalten, und deshalb will und darf ich nicht, um der Sache willen nicht, vorwitzig in die Keime? o greifen, die sich da bilden und vielleicht mich, wenn sie Geister geworden sind, oder sagen wir besser Leibhaftigkeiten, von dem Alpdruck erlösen werden. Nur so viel kann ich Ihnen sagen, daß für 84