Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
- Article
- Die Völker und die Juden
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 76 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Margarete Susman den Juden nur die Hinwendung zum Judentum in seinem umfassenden Leben, in seiner ganzen Nüchternheit; dieses umfassende Leben, diese jüdische Nüchternheit wird auch der Seele der Völker aus ihrem heidnisch-christlichen Gemisch zur Entscheidung helfen können. Den Juden sagte es der Seher, daß zuletzt Fischer sie mit Angeln locken und Jäger sie treiben werden. Der Zionismus, das sind die Fischer, die leisen Dinge der Fremdheit und die lauten Sachen der Feindschaft draußen, das sind die Jäger. Zwischen den Völkern und den Juden bereitet sich eine Begegnung vor, die schrecklich ist, zugleich aber auch eine andere, die jenseits der Schrecken ist. Seht doch, wie Ruth und Boas sich auf dem Boden des gemeinsamen Glaubensgrundes begegnen, des Messias im Reiche Gottes. Es wäre sicherlich für die Völker ein Weg zur Rettung, wenn sie aus dem Judentum, das in seinem Lande die Ganzheit der Seele zurückempfing, die Botschaft noch einmal vernehmen und sie besser hören wollten als bisher. MARGARETE SUSMAN Bit Brucfe Wenn für die Lösung eines jeden Problems die Vorbedingung ist, daß es klar formuliert, in seiner Stellung scharf und eindeutig umrissen sei, so erscheint jeder Losungsversuch des Judenproblems in Deutschland von vornherein zum Scheitern verurteilt. Denn gerade die Verwischtheit und Vielfältigkeit, das undeutliche Ineinanderühergehen aller Bezirke und Sphären ist ja das, was es dem Deutschen wie dem Juden so sehr erschwert, zu ihm rein und entschieden Stellung zu nehmen. Alle ernsthaften Lösungsversuche von beiden Seiten — meist Teiiversuche auf irgend einem speziellen Gebiet — sind erschwert und verwirrt dadurch, daß wie ein ungestalter Schatten hinter ihnen die anderen ungelösten Seiten des Problems auftauchen. Und doch birgt es in seiner innersten Tiefe einen einfachen Kern, der, bis vor kurzem noch fast unkenntlich, in der heutigem Lage klarer als je zuvor seit dem Bestehen eines relativ freien Judentums in Deutschland sich ausprägt. Rein auf ihr Wesentliches, hin betrachtet scheint mir — der ganzen wilden Hochflut des Antisemitismus zum Trotz, der diese tiefere Wirklichkeit überströmt und der anzeigt, wie unmessbar weit es noch bis zur tatsächlichen Lösung des Problems sein mag — die Situation zwischen Deutschen