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Der Jude · 1925-01-01 · 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum · p. 65

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
Article
Der Weg zum Deutschtum
Date
1925-01-01
Page
65 (sequence 7)
Language
German
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Der Weg zum Deutschtum Er muß sich des ungemein Fragwürdigen, Künstlichen und Konstruierten seiner drei Punkte selber bewußt gewesen sein, als er hinzufügte: „Vollkommen bin ich mir bewußt des beinahe tragischen Zuges, der über Menschen kommt, welche solche Forderungen allmählich erfüllen/' In Wahrheit liegt dieser tragische Zug über den deutschen Juden seit einem Jahrhundert; ja, man könnte ihn einen tragikomischen Zug nennen. Denn diese Forderungen, unter denen ein Volk nun schon so lange dahinlebt, gehen über menschliches Vermögen: kein Eigener sein, aber auch kein Uneigener; seine Andersartigkeit als einen Fehler ansehen müssen und sich trozdem nicht minderartig fühlen; hingebender sein als einer unter den andern und gleichzeitig sich im Schatten bescheiden zurückhalten müssen; Vertrauen um sich verbreiten, aber Vertrauen nie empfangen — ein ungewöhnlicher Einzelner mag es unter besonders günstigen Umständen vollbringen, aber ein Volk, das dies versucht (und es macht den Versuch in seiner Mehrheit), wird neben der Tragik die Komik nicht vermeiden können; jene Komik, die immer auf einem Gegensatz ruht und hier auf dem zwischen Sein und Wollen. Und diese Lächerlichkeit, zu der wir gezwungen wurden, wird dann wieder — und das ist ein neuer tragischer Zug — als Argument gegen uns, als ein Grund zur Ableitung neuer Forderungen ins Feld geführt. Merkwürdig ist es, daß Schumann die Aufgabe der Religion nicht verlangt. Er hält sich in diesem Punkte sehr vorsichtig zurück und kommt auch da zu praktisch unmöglichen Ergebnissen. Er mutet uns nicht zu, die Religion preiszugeben, „keinesfalls deren ethisch-metaphysische Gesinnungseinstellung/' Aber wie es kein Leben ohne Formen gibt, kann es auch keine Religion geben, die nur ethisch-metaphysische Gesinnungseinstellung ist. Es ist erheiternd, daß er auch hier wieder auf dasselbe herauskommt, was gerade die von ihm befehdete Judenheit vertritt. Die hat nämlich dem Deutschtum zuliebe das Judentum zu einer ethisch-metaphysischen Angelegenheit verflüchtigt, unter der man sich alles vorstellen kann und die den Vorzug hat, zu nichts zu verpflichten. Gerade diese Verwässerung der Religion hat mitgeholfen, jenen wurzellosen Typ zu züchten, der das wahre Judentum verloren hat, ohne für diese Preisgabe seinen Gegenwert errungen zu haben. Schmitz ist konsequenter. Er verlangt die Taufe wenigstens der Kinder als einen symbolischen Akt, der „die unveräußerliche Zugehörigkeit* * zur „arischchristlichen Kultursphäre'' bedeutet. Man kann der Ansicht sein, daß die Juden in dieser Sphäre bereits so Erhebliches geleistet haben, daß das Verlarigen nach einem symbolischen Akt dieser Art £>er Jude, Sonderheft. 5 65

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