Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
- Article
- Der Weg zum Deutschtum
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 64 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Gustav Krojanker Israel und Deutschland anbelangt, so ist sie bis auf die immer neu heranwachsende Jugend, die, gleichgültig nach welcher Richtung sie erzogen sein mag, naturgemäß stets wieder vor die Entscheidung gestellt wird, der bewußten Willensrichtung nach tatsächlich bereits vollzogen. Nur daß damit der jüdische Mensch noch immer nicht beseitigt ist. Denn eine Anpassung an fremde Anforderungen kann doch in Wahrheit nur höchst äußerlicher Natur sein, und dies um so mehr, je größer und bedeutender der Einzelne ist, dem diese Zumutung gestellt wird. Hat Rathenau sich wirklich fremden Anforderungen angepaßt? Als er über seinen Büchern saß, als er vor den Entente-Politikern in Genua stand, überall auf den Höhepunkten seines Seins — mag ihm da auch nur einmal der Gedanke gekommen sein, sich fremden Anforderungen anzupassen, oder mag er da nicht vielmehr aus dem Zentrum seines Seins, das in seiner Art nur ein Erbe war von Generationen, die nun einmal keine Deutschen gewesen sind, ohne Rücksicht auf fremde Forderungen sein Letztes, also das Jüdische, hergegeben haben? Der Zusatz, daß gewaltsame Entselbstung nicht gefordert ist, brauchte von Schumann nicht gemacht zu werden, denn auch sie ist unmöglich. Auch sie ist nur in Äußerlichkeiten möglich und führt dann zu einem Typ, der widerlich ist, der aber für sich ins Feld führen kann, daß die Scheidung zwischen Entselbstung und Anpassung an fremde Anforderungen schon gedanklich schwierig ist und in der Praxis vollends das Bild ergeben muß, das er bietet. Die dritte Forderung ist weniger wesentlich, aber auch von so beispielhafter Wirksamkeit, daß sie gleichfalls hergesetzt werden soll: „Führerschaft und Einfluß zu erstreben sollte sich nur der Jude gestatten, der jeglichen äußeren Ehrgeiz abgetan hat. .. Auch hier soll wieder ein Homunkulus in einer Retorte gezüchtet werden. Bleiben wir nochmals bei dem als Muster zitierten Rathenau: glaubt irgend jemand, daß Rathenau allen äußeren Ehrgeiz abgetan gehabt hätte, als er in Deutschland an sichtbare Stellung rückte? Er hatte ihn nicht abgetan und hätte es auch gar nicht gekonnt. Leistung und Ehrgeiz gehören zusammen. Denn der Mensch, und der Leistende insbesondere, braucht menschliche Anerkennung. Der innere Ehrgeiz, der nur auf die Leistung selbst geht, bedarf mehr oder weniger stark immer der Ergänzung durch den äußeren Ehrgeiz, der auf Anerkennung abzielt. Und diesen menschlichsten Trieb sollen wir in uns abgetötet haben, ehe wir wagen dürfen, hervorzutreten? Wenn Schumann das Gleiche von den Deutschen verlangt, so ist das eine liebenswürdige Gerechtigkeit, ohne daß er an der psychologischen Unmöglichkeil seiner Forderung damit irgend etwas ändert. 64