Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1925-01-01 · 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum · p. 62

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
Article
Der Weg zum Deutschtum
Date
1925-01-01
Page
62 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3101111-3101214-3101216-3110009--7673-3110120
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Gustav Krojanker wäre, nur weil er größer war, oder darf man annehmen, daß er deshalb erst recht auf solche Art hätte enden müssen? Und ist es nicht das Gleiche, wenn einem Wassermann immer wieder bedeutet wird, daß er zur Mitwirkung im Bereiche deutschen Geistes nicht berechtigt sei? Auch das ist nicht das Erlebnis eines Einzelnen; es ist das Erlebeis der deutschen Judenheit schlechthin. Was der Geistige im Geistigen erlebt, das erleidet der Durchschnitt jeden Tag auf seine Art. Dies alles wird nicht vorgebracht, um anzuklagen, was in diesem Zusammenhang sinnlos wäre, sondern um eine Anklage zu entkräften. In Wahrheit liegt es also nicht so, daß dem Deutschen das Vertrauen zum Juden fehlt, weil er „nicht deutsch sein will" (Schumann) oder sich „durch künstliche Abwehr fremd erhält'4 (Schmitz), sondern daß der Deutsche den Juden nicht will und ihn sich durch künstliche Abwehr fernhält. III. Mir scheint, unsere Kritiker haben versäumt, zwischen Sein und Wollen ausdrücklich zu unterscheiden. Der Wille des deutschen Judentums zum Deutschtum steht jenseits aller Zweifel. Wäre es nach diesem Willen gegangen — wir brauchten heute nicht ein umfangreiches Heft über das deutsch-jüdische Problem zu veröffentlichen, oder besser: die Art der Problematik würde ganz anders aussehen. Es handelt sich tatsächlich nicht um den jüdischen Willen, sondern um das jüdische Sein. Und von dem läßt sich allerdings nicht leugnen, daß es vom deutschen unterschieden ist. Es ist schade, daß diese deutliche Scheidung bei beiden Schriftstellern fehlt, denn der Wille läßt sich in gewissen Grenzen bestimmen, das Sein nicht. Der falsche Gesichtspunkt des mangelnden Willens führt deshalb auch zu Änderungsvorschlägen oder Forderungen, die leider unfruchtbar bleiben müssen. Schumann stellt drei Forderungen. Sich mit ihnen näher zu belassen, bedeutet nicht etwa das Eingehen auf beliebige Forderungen eines beliebigen Außenseiters. Jeder gebildete Deutsche mag seine Meinungen anders formulieren und in Einzelheiten von ihm abweichen; im Kern aber bringt Schumann tatsächlich zum Ausdruck, was die Deutschen nicht erst seit heute, sondern seit hundrrtfünfzig Jahren verlangen. Deshalb hat die Auseinandersetzung mit einem Einzelnen hier beispielgebende Kraft. Seine erste Forderung lautet: „Das Volk will Vertrauen seiner Glieder zueinander. Das heißt Ehrlichkeit. Das heißt: es darf keine Juden geben, die im stillen Juden und mit Zähigkeit Juden sein wollen, aber doch alle ungeschriebenen 62

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.