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Der Jude · 1925-01-01 · 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum · p. 59

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
Article
Der Weg zum Deutschtum
Date
1925-01-01
Page
59 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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GUSTAV KROJANKER Btt Wt$ jum Btixtftytnm I. In der deutsch]üdischen Frage liegt für die Juden ein ungeheuer ernstes und brennendes Problem. Es ist noch immer dasselbe, das zum ersten Mal: bereits von Napoleon formuliert wurde, als er dem nach Paris berufenen Synhedrion der Rabbiner einige verfängliche Fragen vorlegte. Europa hat die Juden unter der Bedingung ihrer Selbstaufgabe in den europäischen Kulturkreis aufgenommen. Sie haben sich nicht selbst aufgegeben; sie haben es wfeder gewollt, noch hätten sie es auch gekonnt. Europa hat sich inzwischen durch den Mund des Völkerbundes wenigstens teilweise berichtigt. Aber die Völker selbst, die Deutschen an erster Stelle, sind noch nicht so weit; sie verlangen nach wie vor eine Selbstaufgabe, die sie gleichzeitig durch Antisemitismus tatkräftig verhindern. Und so schwankt die jüdische Mehrheit zwischen Anziehung und Abstoßung nach beiden Polen. Sie sollen die Aufnahme bezahlen, indem sie sich verlieren. Aber für die meisten ist der Preis nicht erschwinglich, nicht weil sie nicht wollen, sondern weil es gegen die menschliche Natur geht. Und die wenigen, denen es gelungen ist, voll zu bezahlen, haben ihren Gegenwert nicht erhalten. So liegt die Situation für die Juden. Die ganze Heillosigkeit und Verworrenheit des Problems wird nicht am deutlichsten, wenn Wulle und die Seinen schreien. Der offizielle Antisemitismus ist zu roh und zu dumm, um jemals mehr als Augenblickserfolge zu erzielen, um eine Dauermacht zu sein. Aber wenn sich der gebildete Deutsche, mit allem Wohlwollen und mit aller Sachlichkeit, des Problems annimmt, und wenn man auch dann noch die Kluft sieht, ja dann erst recht — ergibt sich, daß wir noch einen langen Weg haben zu der Brücke, die zur Verständigung führt. Ich spreche nicht von den sogenannten Philosemiten. Denn die sind in Wahrheit weder Kenner des Problems noch etwa Freunde der jüdischen Sonderart. Sie sind gute Menschen und Liberale, die für, den Menschen im Juden die Gleichberechtigung fordern und deren Ideologie seit der Emanzipation keine Veränderung erfahren hat. Ich spreche von den gebildeten Deutschen, die das Problem überhaupt verstanden haben. Dies Verständnis ist schon viel wert; es ist die erste Brücke. Aber von ihr bis zur Verständigung, bis zur letzten Brücke, liegt noch ein gutes Stück Weg, das auch noch gegangen werden muß. 59

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