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Der Jude · 1925-01-01 · 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum · p. 41

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
Article
Deutsche und jüdische "Schuld" und Aufgabe
Date
1925-01-01
Page
41 (sequence 9)
Language
German
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Deutsche und jüdische „Schuld" und Aufgabe legen, durch Selbsterziehung auszuscheiden trachtet, so suchen erwachte Völker Gruppen loszuwerden, welche sich dem Einklang nicht einstimmen mögen oder können. Der Antisemitismus wird so lange immer wieder entstehen — gleichviel, ob jeweils Demagogie ihn aufbläht oder Vernunft ihn zügelt! —, wie ein Teil der Judenheit gegenüber dem Deutschtum gleichgültig oder ablehnend bleibt und doch gleichzeitig in Deutschland eine einflußreiche Rolle erstrebt Ein prinzipieller Irrtum etlicher Juden ist es, wenn sie dagegen äußern: Wir erfüllen unsere staatsbürgerlichen Pflichten, sind loyal und fordern nicht mehr, als die Verfassung jedem Staatsbürger zugesteht. Ihnen ist zu entgegnen: Nun wohl, der Staat tut euch ja auch nichts! Gesetz und Verfassung werden nicht mehr zu euren Ungunsten verletzt, als sie durchschnittlich zu irgendwelcher Gruppen Ungunsten sonst auch verletzt werden. Bedenkt wohl: seit der Staat weniger als jemals euch benachteiligt, seit die Verfassung loyaler als früher zu euren Gunsten ausgelegt wird — seitdem, gerade seitdem ist der Antisemitismus angewachsen! Warum? Weil ihr seither mehr als früher Führung und Macht erlangt habt und dadurch der Konflikt zwischen euch und uns sichtbarer geworden ist, fühlbarer und ernster. War das Deutschtum vor eurem gewollt oder ungewollt undeutschen Einfluß früher durch „Ungerechtigkeit'4 des Staates mehr geschützt als jetzt, so beklagen wir heute mit euchi die Ungerechtigkeit. Aber wollen wir deren Wiederkehr verhüten, so müßt ihr zuerst begreifen: Auf lange hinaus wird kein Gesetz, keine Verfassung ein Volk abhalten davon, daß es ein Volk sein will! Der Konflikt liegt nicht in Mängeln der Gesetzgebung und unloyaler Handhabung der Verfassung, sondern diese sind nur formaler, armer, dürftiger Ausfluß von Gesinnungen — in Gegensätzen der Gesinnung liegt der Konflikt! Und so muß dann einbekannt werden: Das deutsche Volk gibt zu erkennen, daß es politischen und geistigen Einfluß nur denen in größerem Umfang gewähren will, die ihm vertraut sind, sein Vertrauen1) genießen und als echte, produktive, mitfreudige, das Volkstum bejahende Glieder des Ganzen empfunden werden können. Darin liegt ein ganzes Bündel gewaltiger Forderungen an die deutschen Juden. Es mag später betrachtet werden, ob im Lichte einer ,weltgeschichtliche Epochen umfassenden' Denkweise diese Forderungen durchwegs berechtigt erscheinen. Zunächst sollen sie auseinandergefaltet werden. *) Nicht das politische „Vertrauen" allein, das durch Wahlakte gewährt wird und einem Programm Verfechter srilt. ungeachtet seiner sonstigen Gesinnungen...! 4i

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