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Der Jude · 1925-01-01 · 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum · p. 38

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
Article
Deutsche und jüdische "Schuld" und Aufgabe
Date
1925-01-01
Page
38 (sequence 6)
Language
German
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Wu If uang Seh umarm auch an dieses Zukunftsbild nicht. Und seihst wenn ich daran glaubte, so bliebe eben, genau wie im ersten Fall, unser Konfliktproblem für heute, morgen und übermorgen ungelöst Nein! Uns ist das Problem aufgegeben. W i r sollen uns bemühen, es zu lösen, und dürfen uns nicht mit einer Hoffnung auf das Erez Israel der Zionisten beruhigen. Mehr! da ich hier zu Zionisten spreche, so muß ich auch dies aussprechen: ihre gegenwärtige „Abstinenz" sehe und erkenne ich sehr wohl; ich achte und verstehe sie; ich begreife, daß sie mit Notwendigkeit aus ihrer Grundhaltung entspringt. Nicht fruchtbar und nicht klug aber erscheint mir das stimmungsmäßige „Desinteressement" gegenüber unseren Konfliktproblemen, das man in zionistischen Kreisen häufig findet, Noch sind die Zionisten und die Andern ein Volk, sei es selbst in Teilung begriffen, noch gehen die Fäden und Strömungen herüber und hinüber, noch wirkt das Desinteressement der einen lähmend auf die andern — und vollends die Ansätze von Feindseligkeit auf beiden Seiten! O, ich weiß, wir sind alle Menschen, und Bruderzwist ist ein uraltes Erbteil. Und doch wagt sich der Wunsch hervor, die Judenheit möchte ihre Selbstteilung friedfertig und einvernehmlich vollziehen und bis zuletzt in den Angelegenheiten einhellig auftreten, welche das Volk als Ganzes berühren, da sie mit dem Volks tum z usam menhängen. Uns ist das Problem aufgegeben. Und ich habe nun zu sagen, daß die nichtzionistische Judenheit so wenig das Ifyre zu seiner Lösung getan hat wie das deutsche Volk das Seine. Sie hat nämlich nich ts getan. Sie wehrt sich mit mancherlei, meist mit relativ sehr anständigen Mitteln gegen den Antisemitismus; doch diese berechtigte Reaktion verschärft eher die Gegensätze, als daß sie sie milderte. Für die Lösung des Problems bedeutet sie nichts. Ich stehe am schwierigsten Punkt der Darstellung. Denn die Frage: Was könnte denn die nichtzionistische Judenheit tun? — diese Frage beantworten, sie rückhaltlos und aufrichtig beantworten, das klingt immer so wie: eine Forderung aufstellen, auch wenn man es schließlich den Menschen überläßt, ob sie danach handeln wollen oder nicht. Forderungen aber, die naturgemäß tief eingreifen in seelische und praktische Verhaftungen, werden leicht aufgefaßt als „Zumutungen'' und dementsprechend mit Schärfe oder Bitterkeit erwidert. Und doch ist es nicht zu ändern. . . Überdies aber ist die Angelegenheit an sich ungewöhnlich verwickelt. Ihre Komplikation liegt darin, daß die nichtzionistische Judenheit in Deutschland kein einheitliches Gebilde mehr ist, sondern allmählich den Charakter eines ,,Volkes'' — den einer „Rasse" hat sie längst nicht mehr — verliert und sich auflöst in eine Anzahl von 38

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