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Der Jude · 1925-01-01 · 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum · p. 6

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Journal
Der Jude
Volume
9 (1925-1927)
Issue
1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
Article
Der Jude in der deutschen Gegenwart
Date
1925-01-01
Page
6 (sequence 6)
Language
German
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Arnold Zweig gangszeit, wie Dampf, Maschine und das Heraufkommen gemein - europäischen Wirtschaftsgebiets sie erzwangen, Judenschichten umgrabend vornan arbeiteten, geschoben mehr als schiebend, wird auf lange Sicht dadurch mehr als aufgewogen. Wie ja die Gefährlichkeit des Lebens eben darin besteht, daß ein und die selbe Kraft, kurzstreckig betrachtet, bald zerstört, bald aufbaut. Ist doch Wilhelm IL und der ohne ihn ausgebliebene Große Krieg mitverantwortlich für das schnelle Tempo, mit welchem die Idee Gemein-Europa und der Aufbau noch größerer wirtschaftlicher Einheiten sich durchsetzt. Kein echter Demokrat, kein zukunftsvoll geöffneter Deutscher kann leugnen, daß die Juden im Ganzen ein förderndes europäisches Element, und in Deutschland, zum Beispiel als Schreibende, Bewahrer, Mitbildner, große Liebende des deutschen Geistes sind, wie sie in Frankreich, gerade in Misch-Menschen (Montaigne, Anatole France, Marcel Proust) spezifischer Ausdruck französischer Seele wurden. Der Grund ist sehr einfach: sie vermögen sich hinzugeben. Sie haben die schenkende Tugend bis zur Selbstvergessenheit. Und wo sie nicht mißhandelt werden — selbst wo sie (Rußland) mißhandelt wurden — öffnen sie sich mit dem ganzen Erbteil ihrer nach Größe dürstenden Herzen dem Echten und Großen des Landes, das sie gebar und gastlich nährte: der Landschaft, dem Volke, dein Geiste. Eine schöpferische Kritikerreihe von Börne bis Jacobsohn ist nur der Ausdruck des Dankes der Juden an das wahre, das dauernde Deutschland. 7- Es wäre sehr sonderbar, wenn der Zionist nun, der seine Organe für das Verbindliche, für das Öffentlich-Verpflichtende besonders wach hat, von dieser Teilnahme am deutschen Wesen abgeschlossen werden könnte. Von außen, vom Deutschen her, gibt es keinen einzigen wirklich stichhaltigen Grund dafür. Wo nicht Liebe ist, gibt es ohnehin keinen Dienst; wer nicht dienen will, aus innerster Überzeugung, in der Andacht für die eigene Tradition geschärft für den Wert auch der anderen, der deutschen, in der Pflege des eigensten zartesten Keimwesens voll Achtung und Pfleglichkeit auch für die ihm von innen her aufgeschlossene andere, der bleibt ohnehin von der allgemeinen Sache fort. Als Karl Scheffler während des Krieges über die Bedingungen sich verlauten ließ, unter denen man den deutschen Juden die volle wirkliche Gleichberechtigung einräumen könnte, und in einem unbeschreiblichen Gewirr von Wenns und Abers sich verwickelte, wie man das, was man nicht mehr verweigern könne, nun gewissensmäßig verklausuliere, gab ihm Martin Buber in dieser Zeitschrift hier, die damals ihre große Epoche hatte, eine Antwort von so schneidender Helle, daß ihr Licht noch heute in 6

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