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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 12 · p. 751

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 12
Article
Das Paulinenstift zu Hamburg
Date
1924-01-01
Page
751 (sequence 9)
Language
German
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Umschau: Literaturgeschichte 751 schenkinder nicht so hoffnungslos unvorbereitet in die Seminare eintreten. Ein in jeder Weise praktisch vorbereitetes junges Mädchen wird ganz anderen Nutzen von ihrer Seminararbeit haben als ein absoluter Neuling auf diesem Gebiet. Der Mangel an jüdischem Erziehungspersonal hatte und hat zur Folge, daß wir eben fertig gewordene Hausbeamtinnen, Kindergärtnerinnen usw., in verantwortungsvolle Posten setzen, denen sie noch nicht gewachsen sind und auch nicht gewachsen sein können. Hier müssen die Anstalten sowohl in ihrem eigenen, als auch im Interesse der jungen Menschenkinder in Zukunft vorsichtiger sein und dürfen sie anfangs noch nicht in ganz selbständigen Stellungen beschäftigen, müssen sie vielmehr noch als Praktikantinnen behandeln. Die Not der Zeit wird sich diesen dringenden Reformbestrebungen leider auch hindernd in den Weg stellen, aber zur Hebung des Berufs aller Anstaltsbeamtinnen ist diese Forderung unerläßlich. Hier sei mir ein Wort an die Jugend gestattet: Ich verstehe den Wunsch eines jungen Menschen sehr wohl, der frisch aus der Ausbildung kommt und sich nun entfalten und auswirken möchte und vor allem selbständig sein will. Gewiß. Selbständigkeit weckt das Verantwortungsgefühl, und jede vernünftige Leitung wird diesem berechtigten Streben auch Rechnung tragen. Es wirkt aber doch etwas merkwürdig, wenn in den Anfragen ganz junger Anfänger nach der Stellung der größte Wert auf die Selbständigkeit in der Arbeit gelegt wird, die wohl allmählich erworben, aber nicht der Beginn einer Tätigkeit sein kann. Eine viel wichtigere Frage als die nach der Selbständigkeit sollte für die jungen Menschen die sein, ob ihnen in der Stellung auch die Möglichkeit der Weiterbildung gewährleistet wird. Gerade weil wir der Überzeugung sind, daß die jungen Beamtinnen erst allmählich sich das aneignen können, was wir für unsere Mitarbeiter für notwendig erachten, müssen wir ihnen auch Gelegenheit zur Weiterbildung bieten. Ob diese nun durch gemeinsame Besprechungen, Teilnahme am Unterricht im Hause, Beteiligung an Kursen zur Förderung ihres Spezialfaches erworben wird, ist letzten Endes gleich, es muß ihnen nur die Zeit zur Fortbildung gegeben werden, dann wird sie auch der Anstaltszwang nicht mehr so bedrücken, sie werden das Leben in dieser Anstalt leichter ertragen und ihre Pflichten freudiger erfüllen. Wenn unsere jüdischen Anstalten ihre doppelten Pflichten als Trägerinnen der Gemeinschaft und als Ausbildungsstätten erkannt haben werden, dann brauchen wir uns um ihren inneren Fortbestand keine Sorgen zu machen. Gertrud Benzian - Hamburg LITERATURGESCHICHTE Franz Rosenzweig: Jehuda Halevi deutsch Zur gleichen Zeit, da der Kenntnis des hebräischen Publikums durch die Herausgabe des Diwans von Salomo Gabirol ein so bedeutender Bezirk der spanisch-jüdischen Dichtung hinzugefügt ward,wurde diese durch Rosenzweigs Übersetzung dem deutschen Leser — man darf es wohl sagen — allererst eröffnet. Nicht umsonst widmet Rosenzweig den größten Teil seines ,,Nachworts" dem Problem der Übersetzung. Für jenes Gebiet hat er in der Tat als erster etwas geschaffen, was mit Recht also genannt werden kann. Und dazu lesen sich — trotz der ausdrücklichen Verwahrung im Nachwort — die meisten der Übersetzungen als recht annehmbare deutsche Gedichte. Gewiß liegt hierin einer der schwersten Vorwürfe, die man und die der Verfasser sich selbst machen wird. Aber schließlich ist es keine Schande, wenn man deutsch kann. Für die Güte dieser Übersetzung beweist schon, daß man sie nicht ins Feuer zu werfen braucht, auch wenn man Hebräisch gelernt hat und als seine Sprache spricht. Trotz des ungeheuren Zwanges des Reimes, des Rhythmus, des Akrostichons, wovon gleich zu sprechen sein wird, ist es Rosenzweig gelungen, eine Übersetzung zu liefern, die vielerorts als Kommentar und als überraschend richtige Interpretation des Autors gelten darf. Vor allem ist die große Prägnanz der Übersetzung hervorzuheben, die diese Arbeit sehr von allen früheren unterscheidet und sie demjenigen aufs beste empfiehlt, der mit ihrer Hilfe das Original studieren will. Ein Zeichen für das schöpferische Verfahren Rosenzweigs ist es übrigens, daß ihm gelegentlich die Sache gänzlich mißlungen ist, z. B. meiner Meinung nach

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