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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 12 · p. 689

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 12
Article
Der Zwang zur Weltpolitik
Date
1924-01-01
Page
689 (sequence 1)
Language
German
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SIEGMUND KAZNELSON / DER ZWANG ZUR WELTPOLITIK x> Angenommen, jenes „Prolegomenon zu jeder jüdischen Politik": „jüdische Politik als Weltpolitik ist nur als zionistische möglich**, stimmte (wie in der politischen Umschau von VI/8 dieser Zeitschrift dargetan und in VII[2 weiter ausgeführt). Dann darf, mit einem Sprung ins Zentrum des heutigen Problems, mit einem Satze also, gesagt werden: Das schmale Küstenland im Osten des Mittelländischen Meeres, um das anfangs nur die Gedanken und Wünsche der „von Erlösung der Gefangenen Zions Träumenden** kreisten und das jetzt mit magnetischer, fast mystischer Gewalt auch die anderen lebendigen Kräfte im Judentum anzieht, zwingt jede jüdische Politik, selbst die Un- oder Antipolitik, zur Weltpolitik. Geheimnisvoller noch als das „Naturphänomen** dieses erdmagnetischen Kraftfeldes und seiner immer stärkeren Anziehungskraft ist die Erscheinung, wie ganz außerhalb und weit entfernt Stehende, Widerstrebende oder Indifferente in diesen magischen Kreis gezwungen, wie sie von den Wellenschlägen der von ihm ausgehenden Bewegung erfaßt und willenlos mitgerissen werden, ja wie nicht nur die Menschen, sondern die objektiven Verhältnisse, die Weltsituation des Judentums, auf die zionistische Lösung der Judenfrage geradezu hintreiben. Ein Grundprinzip des „wissenschaftlichen** Sozialismus, der Automatismus in der zwangsläufigen ökonomischen Entwicklung, die nach der marxistischen Theorie über die fortschreitende Konzentration des Kapitals zu seiner Expropriation führen muß — hier scheint ein ähnliches Gesetz in der Wirklichkeit, die der marxistischen Doktrin bisher durchaus fremd blieb, eine augenfällige, im Grunde aber unerklärliche und rational nicht erfaßbare Ausformung gefunden zu haben. Wir sehen hier eine der sogenannten „geschichtlichen Notwendigkeiten** und „unaufhaltsamen Evolutionen**, aber nicht bloß als eine im nachhinein feststellbare Geschichtsphilosophie, sondern als immer stärker hervortretende Entwicklungstendenz pro futuro. Das ist natürlich wissenschaftlich nicht beweisbar, sondern kann nur auf Grund von Symptomen und charakteristischen Tatsachenkriterien glaubhaft gemacht werden. Manchen werden diese vielleicht noch nicht genügend und zu den von uns gezogenen weitergehenden Schlüssen nicht berechtigend erscheinen. Die Kette der Tatsachen, die immer stärker und enger Palästina umschließt, muß noch sichtbarer, geschlossener und gliedreicher werden, die Anzeichen dafür, daß nur der Weg des Zionismus übrig bleibt, müssen sich noch mehren, der "~ T—-—- x) Der Aufsatz wurde bereits im Oktober 1924 geschrieben.

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