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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 11 · p. 682

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 11
Article
Von den "nationalen" Gegensätzen der Juden Erez Israels
Date
1924-01-01
Page
682 (sequence 3)
Language
German
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682 Bemerkungen: Von den „nationalen" Gegensätzen der Juden Erez Israels platz wegnehmen." Aber: wenn ich am Sabbathende im bucharischen Viertel Jerusalems spazieren gehe und die schönen Trachten der Frauen und diese uns so frem-. den Typen von Menschen wie ein Fremder betrachte und ich gehe mit ihnen zu Sabbathausgang in ihr Beth-hak'nesseth und höre dort: baruch atha adonai ... so springt doch noch ein Funke von Gemeinsamkeit über. Um aber zu zeigen, daß die religiöse Gemeinsamkeit nicht nur in der Äußerlichkeit gemeinsamer Riten und Gebetssprache liegt, sei von den Yemeniten, jenen aus Südarabien eingewanderten braunen, hageren Juden, die nach der meisten Anthropologen Ansicht von den Arabern abstammen, dies erzählt: Ein jüdischer Kaufmann verlor in Jerusalem eine Brieftasche mit einer großen Geldsumme. Wie er so jammerte, kam ein Yemenite und brachte ihm die Tasche mit ihrem ganzen Inhalt und als der Kaufmann ihm eine ansehnliche Belohnung geben wollte, nahm er sie nicht an, weil er nur getan habe, was die Thorah befehle. All diese Juden kennen wir kaum. Aber sie sollen einmal in das eine jüdische Volk eingehen. Von ihnen, über ihre Eigenart mehr zu erfahren, als wir heute wissen, wäre wichtiger als neue Theorien über Wert und Art des jüdischen Nationalismus. Das Problem des jüdischen Volkes wird bald nicht mehr die Gefahr der Assimilation, sondern die Frage sein, wie aus dem großen jüdischen Volk ein Volk werden kann. Heute divergiert in Erez Israel noch fast alles. Es sei nur noch an die fast unüberbrückbare Kluft erinnert, die zwischen der ostjüdischen Orthodoxie und dem antiorthodoxen Jischuw der Chaluzim und Intellektuellen des Ostens besteht. Wie können die Juden ein Volk werden? Der Austausch „nationaler" Sitten ist am unbedeutendsten, aber doch bemerkenswert. Das Wichtigste war und ist bis jetzt die Sprache. Das Hebräische, das so schön ist und mit bewußter Freude gesprochen wird, ist ja wirklich verbindendes Volksgut geworden. Je größer der Kreis ist, der von der hebräischen Volksschule erfaßt wird> desto eher können die Menschen sich zusammenfinden. Aber man bedenke, daß viele Juden des alten Jischuw ihre Kinder in Missionsschulen schicken, einfach weil sie dort kein Schulgeld zu bezahlen brauchen. Das Entscheidenste wird aber die Willensrich tungzum Juden sein, die auch das Hebräische lebendig gemacht hat. Sie hat Ost und West zu gemeinsamer Tat zusammengeschweißt. Sie hat eine soziale Lebensreform begonnen, wird sie weiterbauen und durchführen müssen, einfach weil ohne sie ein jüdisches Volk nicht frei atmen kann. (Und dies ist der zweite Weg, die inneren Grenzen zu vernichten.) Sie wird auch die Tiefen der jüdischen Seele noch finden und aus ihnen neues Leben gestalten. Ich vertraue darauf. Was auch im alten Judentum aus dem Nationalitätengemisch Erez Israels das eine jüdische Volk schuf, war der jüdische Gott, die jüdische Lehre. Nur aus jüdischem Geist wird ein jüdisches Volk wachsen können, wird in der Wärme des Wissens um unser Zusammengehören, das uns heute einander vertraut macht, sich die Flammen eines großen nationalen Zusammenlebens entzünden können — vielleicht an vielen, vielen Juden vorbei. Max Buchmann, Jerusalem

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