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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 11 · p. 678

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 11
Article
Von den religiösen Gegensätzen der Juden Erez Israels
Date
1924-01-01
Page
678 (sequence 1)
Language
German
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BEMERKUNGEN Von den religiösen Gegensätzen der Juden Erez Israels In der Galuth stellt man sich die Juden Palästinas unwillkürlich als bessere und edlere und wohl auch schönere Menschen vor als jene in der Diaspora. Daher ist die Enttäuschung groß, wenn man in der palästinensischen Stadt sehr viele ausgesprochene Ghettotypen sieht und unmöglich glauben kann, daß hinter diesen häßlichen Gesichtern edle Seelen wohnen sollen. Dies ist auch wirklich nicht der Fall, und der Händler von Tel Awiw unterscheidet sich meist nicht von einem Hausierer in der Galuth. Dagegen hebt sich der jüdische Arbeiter, besonders auf dem Lande, schon rein äußerlich sehr zu seinem Vorteil von diesen Ghettojuden ab, und man muß kein großer Psychologe sein, um von seinem treuen Blick und ehrlichen Gesicht günstige Schlüsse auf seinen Charakter zu ziehen. Aber es gibt noch eine dritte Gruppe, jene Yv ohen Gestalten im Samtkaftan und Strejmel die man am Sabbath in Saffed und Jerusalem sieht. An ihren bleichen Gesichtern mit langen Bärten und Schläfenlocken erkennt man, daß sie Tag und Nacht über den heiligen Büchern sitzen. Diese Männer erinnern an die stolzesten Gestalten unserer Geschichte, und so unähnlich sie den jüdischen Arbeitern sind, so können sie sich ruhig neben ihnen sehen lassen. Die Frommen und die Arbeiter repräsentieren in Palästina schon rein äußerich die edlen jüdischen Typen, und man möchte glauben, sie müßten sich gegen das vordringende Händlertum verbünden. Dem ist jedoch nicht so: zwischen diesen beiden edlen Gruppen hat sich ein Zwiespalt ergeben, wie er in unserer Geschichte so häufig ist, und nichts besteht zwischen ihnen als Feindschaft und Haß. Beide Gruppen haben gemeinsam, daß sie nicht dem Mammon dienen, sondern Gott. Beide haben freiwillige Armut erwählt um der „Awodah" willen. Aber es ist nicht derselbe Gott, dem sie dienen, so glauben sie wenigstens, denn die einen übersetzen Awodah mit Arbeit und die anderen mit Gottesdienst. Beide leben einem Ideal nach, dem sie alles zu opfern bereit sind und das sie in ihrem Enthusiasmus auch anderen auferlegen möchten. Da echt jüdischer Fanatismus sie erfüllt, wollen und können sie einen anderen Gott als den ihren nicht anerkennen, und der Dienst eines anderen Gottes ist ihnen ein Greuel. So sind also beide Gruppen ähnlich genug, aber gerade diese Ähnlichkeit muß zum Konflikte führen. Der Arbeiter hat das Ideal des Aufbaus eines hebräischen und freien. Erez Israel auf sozialistischer Grundlage. Er sieht sich in seinen heiligsten Gefühlen verletzt, wenn die Orthodoxen Delegationen nach London und zum Khalif Hussein senden, um gegen das Mandat oder gegen die Autonomie der jüdischen Gemeinden zu protestieren, wenn sie sich über das ,,zionistische Joch" beklagen, den profanen Gebrauch der hebräischen Sprache bekämpfen und in ihren Schulen im Jargon unterrichten. Er kann sich nicht dem Gebot der absoluten Sabbathruhe nach orthodoxer Auffassung fügen, er kann es nicht für eine Sünde halten, wenn er nach der schweren Arbeit der ganzen Woche, die ihm keine freie Zeit gelassen hat, am Samstag einen Brief nach Hause schreibt, einen Ausflug macht oder Fußball spielt. Er sieht darin vielmehr ,,Oneg Haschabath" im wahrsten Sinne des Wortes. Der Arbeiter erkennt nicht den Wert des ununterbrochenen Thalmudstudiums an, wenn man keine Berufsarbeit ausübt, sondern sich durch milde Gaben erhalten läßt. Der Fromme dagegen fühlt, daß er der von Gott gegebenen und von den Vätern empfangenen Thorah nachlebt, daß er alle Gebote hält und die Verbote beachtet, so daß ihm

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