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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 11 · p. 625

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 11
Article
Das Verhältnis der Sowjetmacht zum Judentum
Date
1924-01-01
Page
625 (sequence 1)
Language
German
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GEORGES POPOFF / DAS VERHÄLTNIS DER SOWJETMACHT ZUM JUDENTUM Vorbem. d. Red. Im vorliegenden Heft sind einige Beiträge üter das russische Judentum zusammengefaßt. Das Geschehen in Rußland beansprucht, wie es auch ausgehen möge, weltgeschichtlichen Rang. Daher sind alle an ihm unmittelbar Beteiligten notwendigerweise stark mit ihrem Persönlichen hineingezogen, so daß ihre Darstellungen nicht als objektive, historische Zusammenfassungen, sondern als Quellen zu gelten haben. Deren Widerspruchsfülle, die sich auch in den von uns gebrachten Beiträgen erweist — leider fehlt uns vorläufig ein kommunistischer Bericht — ist also kein Nachteil, sondern die einzige Möglichkeit, hinter und zwischen all den Verschiedenheiten jene Wahrheit ahnen zu lassen, auf die des großen Denkers Solowjow Worte hinzielen. E. S. Es ist sicher eine paradoxe Erscheinung, daß in Rußland, wo seit dem Sturz des Zarismus einzelne hervorragende Staatsmänner jüdischer Abstammung die Politik der Regierung mitbestimmen, die Lage der jüdischen Bevölkerung dennoch eine überaus schwere ist, ja, sich in mancher Hinsicht heute sogar bedrängter als zur Zeit der zaristischen Willkürherrschaft gestaltet hat. Eine Erklärung hierfür gibt die Geschichte des Judentums im Rußland der letzten Jahre, die zu unstet waren, um das Aufkommen „besserer Zeiten" zu ermöglichen. Die Bo1sche w i sten leugneten ursprünglich das Vorhandensein eines „jüdischen Problems" unter ihrem Regiment. „Offiziell" glaubte der Kreml diese Angelegenheit durch Gewährung der „bürgerlichen Gleichberechtigung" erledigt zu haben. Von nationaler Autonomie war nicht die Rede. Denn in seinen Schriften hat selbst Lenin sich stets gegen eine nationale Autonomie der Juden innerhalb eines kommunistischen russischen Staates ausgesprochen, in Übereinstimmung mit seinem Lehrer und Meister Marx. Dieselbe Logik machte sich die sogenannte „ Jewsekzia", d. h. die jüdische Sektion der kommunistischen Partei Rußlands, zu eigen, die für die Nöte der jüdischen Bevölkerung, aus „parteitaktischen Gründen", keine Beachtung aufbringen wollte oder konnte. Eine teilweise Änderung dieses Zustandes trat erst vor etwa 2 Jahren ein, anläßlich des 12. Kongresses der Russischen Kommunistischen Partei, als die „Partei" die Umkehr zur „Neuen Ökonomischen Politik" sanktionierte. Doch diese Reformen, welche hauptsächlich wirtschaftlicher Natur waren und den russischen Juden hätten nützen können, brachten ihnen dennoch keine nennenswerte Erleichterung ihrer Lage; das russische Judentum war damals bereits zu entkräftet und entnervt, um bedeutenden Nutzen aus der neuen Lage ziehen zu können; zudem erwies sich der „Neue Kurs" bekannt- Heft ix. 40

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