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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 10 · p. 598

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 10
Article
De Haan als Dichter [Rezension]
Date
1924-01-01
Page
598 (sequence 1)
Language
German
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BEMERKUNGEN De Haan als Dichter Wenige Wochen vor seinem Tode veröffentlichte de Haan ein Buch von Vierzeilern „Kwatrijnen" (Amsterdam, Kampen 1924, 187 Seiten). Er brachte das Buch — hierin pflichtgetreuer als mancher zionistische Schriftsteller—in die Nationalbibliothek, und rvea ich habe in dem Band geblättert. Ich verstehe nicht holländisch, aber Herr V. V. hat mir genügend viele der Vierzeiler übersetzt, daß ich mir ein Bild von dem Mann, wie er in dem Buche erscheint, machen kann. Ich sah de Haan so oft durch die Straßen von Jerusalem laufen und hatte immer das Gefühl, einen Fliehenden zu sehen. Er war gehaßt, mit Recht gehaßt, aber doch gehaßt und gemieden wie ein böses Tier. Nun lese ich in diesen Vierzeilern, die einen namenlos unglücklichen Menschen enthüllen. Das Bild eines Zerrissenen, Zerfallenen, der vergeblich Ruhe und Frieden sucht. In Holland hörte er ,,die Stimme Jerusalems", dort glaubte er Frieden zu finden. ,,Nach Jerusalem gehen und ein eigenes Haus bauen'*, das war sein Traum. Er kommt an. „Am ersten Sabbath geh ich durch die Straßen Jerusalems verwundert fort. Ein Fremder? Nein, nicht mehr verlassen, Seit Gott meine Bitte hat erhört.'4 Die Sehnsucht nach Einheit, nach Versöhnung mit Gott, hat de Haan zur Orthodoxie geführt. Hier findet er, was ihm fehlt. Die Frommen, sagt er in dem Gedicht an Rabbi Chaim Sonnenfeld, sind gefeit gegen alle Versuchungen, die dem Genießer drohen. Die Thalmudisten Sie haben ihr Ich an die Ewigkeit gegeben, Nun weder durch ihr Ich noch durch die Ewigkeit geplagt, Während mein keuchendes Herz müde vom machtlosen Leben Sich nicht verlieren kann und doch verloren t klagt. Trost Ich habe in Jerusalem sehr viel gelitten, Aber das ist Heil, das alles Leid vergilt: Daß ich des Abends in stillem Gebete Bei der Klagemauer Gottes Genossen fand. Er hat die Klagemauer immer wieder besungen. Keine Mauer von Stein, sondern eine Mauer von Pein." ,,Was soll die Mauer mehr denn eine Mauer sein, wenn sie nicht gemauert stünde in unserem Herzen?" Hier in der Gemeinde — und wer wollte bestreiten, daß man nirgends inniger beten kann als beim Köthel Maarawi? — überwand er seine furchtbare Einsamkeit. ,,Ich segne niemand, denn ich bin kein Vater, Mich segnet niemand, denn ich bin kein Sohn. Doch führt Gottes Liebe mich meinem Lande näher, Und ängstlich frage ich: Welchem Los war dieser Lohn?" „Laß mich zeitlebens Gottes Dichter sein, Ihm singen alle Tage meines Seins. Möge mein Lied, das ich in Leiden schuf, Als Opferduft vergehen." Dieses Vergehen und Aufgehen im Volke ist der immer wiederkehrende Wunsch. In einem Gedichte an Bialik kommt seine Verehrung für den Dichter, der das Herz seines Volkes ist, zum Ausdruck. Auch er ist stolz, daß sein Herz Herz seines Volkes ist und daß er ein jüdischer Dichter ist. Er hört mit Entzücken die Lieder der Jemeniten. Hier ist jüdische Ewigkeit. ,,Was jüdische Herzen kann verbinden, Die uns hassen, wissen es nicht."

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