Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die Bedeutung der Goldziherschen Bibliothek für die zukünftige hebräische Universität
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 578 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3101111-3101201-3101211-3109735--7373-3109772- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
578 A. S. Y a h u d a: Was den Inhalt der Sammlung anbetrifft, so läßt sich im Rahmen dieses Artikels nur ein sehr summarisch gehaltener Überblick geben, wobei die scheinbar zu weit gehenden Superlativen Qualifizierungen in Wirklichkeit dem materiellen und geistigen "Wert der Sammlung nur annähernd gerecht werden. Es gibt kaum ein Gebiet der Sprache^ der Literatur, der Kultur und Zivilisation, der Geschichte, der Theologie und Philosophie, der Naturwissenschaften und,der verschiedenen Kunstarten (Architektur, Miniaturmalerei, Dekoration usw.) der arabischen und übrigen Teile der islamischen Welt, das nicht annähernd vollständig und mit erstaunlicher Sachgemäßheit in der Sammlung vertreten ist. Hier liegen die Quellen, aus denen Goldziher sein umfassendes Wissen geschöpft hat; hier liegen die Materialien, aus denen er, vielfach als erster, die großen, wunderbaren und originellen wissenschaftlichen Gebäude errichtet hat, die ihn zum berühmten Gelehrten und gefeierten Meister der islamischen Forschung und semitischen Philologie gemacht haben. In dieser Bibliothek sind beisammen auch die umfassendsten Arbeiten über alle alten und modernen Richtungen der islamischen Religions- und Rechtswissenschaften, über Staatswissenschaft, Hadith (Traditionen Muhammeds) Koran-Exegese, Philosophie, Philologie und Literatur, sowie aller Sekten und Klassen in den verschiedensten muhammedanischen Ländern, von Zentralafxika bis Zentralasien und über Indien bis tief nach China hinein. Und Goldziher hat mit seiner fast übermenschlichen Leistungsfähigkeit, Umsicht, Emsigkeit jedes Buch mit außerordentlicher Genauigkeit durchgearbeitet und für seine nach hunderten zählenden Abhandlungen und Dutzenden von Werken benutzt. Man kann daher ohne Zögern sagen, daß das Nachstudieren mancher seiner Werke und mancher seiner Theorien, die Epoche gemacht haben, nur durch das Heranziehen seiner Bibliothek möglich sein wird. Es gibt auch manche literarischen und wissenschaftlichen Zweige, die einzig und allein in dieser Sammlung enthalten sind, weil Goldziher der erste war, der diese Disziplinen überhaupt entdeckt und der europäischen Wissenschaft bekannt gemacht hat. Unter den zahlreichen Dedikationsexemplaren, die ihm Gelehrte aus allen Gegenden der Welt aus persönlicher Verehrung zugeschickt haben, sind sehr viele, die außerordentlich selten geworden sind. Manche stammen aus Zeitschriften, die entweder hoch im Preise stehe oder die sich auf mehrere Jahre erstrecken und nur in ganz großen wissenschaftlichen Bibliotheken angetroffen werden können. Andere sind in Zeitschriften erschienen, die keine direkte Beziehung zu den semitischen Wissenschaften haben und daher kaum in einer Spezialsammlung orientalischer Werke vorhanden sein dürften, obwohl manche von ihnen sehr lehrreich und wichtig sind. Man kann sagen, daß es während der letzten 50 Jahre kaum einen Orientalisten von Namen und Bedeutung gab, dessen Werke Goldziher nicht bekommen hätte, entweder direkt von den Autoren oder von wissenschaftlichen Fachzeitschriften zum Zwecke einer Besprechung. Darunter gibt es auch viele bedeutende Arbeiten in russischer, spanischer und verschiedenen