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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 10 · p. 576

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 10
Article
Die Bedeutung der Goldziherschen Bibliothek für die zukünftige hebräische Universität
Date
1924-01-01
Page
576 (sequence 2)
Language
German
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576 A. S.Yahuda: logie allein; er hatte auch für alle jüdischen Wissensgebiete das tiefste Interesse. Es dürfte kaum einen andern Orientalisten von solchem Range geben, der die ganze Geschichte, Philosophie und Literatur des Judentums so gründlich studiert und gekannt hat wie er. Schon seit frühester Jugend war die Bibel sein beständiger Begleiter, den Thalmud studierte er stets mit Liebe und Begeisterung, bis zu seinem Lebensende, besonders in den späten Stunden seiner schlaflosen Nächte, und die mittelalterliche jüdische Literatur und Philosophie fanden in ihm einen tiefen Kenner und Bewunderer. B a c h y a s Buch über die Herzenspflichten, der M o r e h des Maimonides und der K u z a r i des Jehuda Halewi waren seine Lieblingsbücher; ihnen widmete er seine Mußestunden. Auch gab es wenige, die so innig mit den Werken von S. D. Luzzatto, Zunz, Grätz, Steinschneider, Abraham Geiger und vieler anderer großerMeister undAufbauer der modernen jüdischen Wissenschaft vertraut waren wie Goldziher. Diese Vielseitigkeit wird auch vollkommen in seiner Sammlung reflektiert. Es ist klar, daß die Bibliothek eines so universell interessierten und so universell bekannten Gelehrten gleich nach der Nachricht von seinem Ableben die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf sich gelenkt hat. Denn alle, die Goldziher als unübertroffenen Meister verehrten, ihn als bahnbrechenden Gelehrten und epochemachenden Forscher bewunderten, waren auch vom hohen wissenschaftlichen und materiellen Werte seiner Bücher durchdrungen. Von verschiedenen Seiten gelangten alsbald Anfragen und Angebote an die Familie, wobei sich unter den Interessenten sehr bedeutende wissenschaftliche Institute in Europa, in Amerika und sogar im Fernen Osten befanden. Es muß aber zu Ehren der Exekutive der Zionistischen Organisation gesagt werden, daß sie unter den ersten figurierte, die ihr lebhaftes Interesse für die Sammlung bekundet haben, und daß sie von da ab die Verhandlungen mit der Familie zwar sehr langsam, aber doch stetig fortgesetzt hat, bis diese zu dem glücklichen Erfolg der Erwerbung führten. Es mag hier erwähnt werden, daß unter den Bewerbern sich auch die japanische Regierung befand, die im Anfang sehr ernstlich bestrebt war, in den Besitz der Sammlung zu gelangen. Sie entsandte einen bekannten japanischen Gelehrten nach Budapest, um einen Bericht über die Bibliothek aufzunehmen. Es ist nur den üblichen Kompliziertheiten und Schwerfälligkeiten, die stets mit neuen Budgetkrediten zusammenhängen, zu verdanken, daß die Angelegenheit keine schnelle Erledigung gefunden hat, zum Glücke der Sammlung, die ganz sicher beim letzten Erdbeben in Japan, mit den andern wertvollen Schätzen der Tokio-Universität, ein Raub der Flammen geworden wäre. Es ist nicht hier der Ort, aus rein bibliographischen Gesichtspunkten einen spezifizierten Bericht über Umfang und Inhalt der ganzen Bibliothek nach den einzelnen Fächern zu geben. Zur Orientierung des großen Publikums mögen folgende ganz summarisch abgerundete Zahlen genügen: in der 6000 Bände umfassenden Sammlung sind etwa 2600 Autoren mit 4300 Titeln ver-

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