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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 10 · p. 575

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 10
Article
Die Bedeutung der Goldziherschen Bibliothek für die zukünftige hebräische Universität
Date
1924-01-01
Page
575 (sequence 1)
Language
German
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A. S.Yahuda: Die Bedeutung der Goldziherschen Bibliothek usw. 575 A. S. YAHUDA / DIE BEDEUTUNG DER GOLDZIHERSCHEN BIBLIOTHEK FÜR DIE ZUKÜNFTIGE HEBRÄISCHE UNIVERSITÄT1) I. Die Bücher. Vor einigen Monaten ist die Kunde durch die Zeitungen gegangen, daß die Bibliothek des berühmten Orientalisten Professor Ignaz Goldziher aus Budapest für die Jüdische National- und Universitäts-Bibliothek in Jerusalem erworben worden sei. Der Besitz dieser Bibliothek bedeutet einen großen und wichtigen Schritt auf dem Wege zum Ausbau der projektierten hebräischen Universität auf dem Scopusberge, und es verlohnt sich, den Inhalt, den Wert und den Nutzen dieses Besitzes von verschiedenen Seiten zu beleuchten. Professor Goldziher galt während der letzten 50 Jahre als einer der bedeutendsten Orientalisten der Welt. Er wurde nach Alfred von Kremer, der den ersten ernsten Versuch gemacht hat, eine Kulturgeschichte des Islams zu schreiben, als der hervorragendste Kenner der islamischen Kulturwelt betrachtet. Neben Fleischer, dessen Schüler er war, und Wilhelm Ahlwardt galt er als der beste Kenner der altarabischen Literatur, und neben Theodor Nöldeke, der sicherlich der größte, gelehrteste und genialste Orientalist aller Zeiten ist, wurde Goldzihers Name als der einzige ihm ebenbürtige genannt. Auf manchen Gebieten, besonders auf dem Gebiete der mohammedanischen Theologie und Dogmatik, war er der unbestrittene Meister, der schöpferisch gewirkt und neue, vorher unbekannte oder unbearbeitet gebliebene Wissensgebiete der modernen Gelehrtenwelt erschlossen hat. So war er z. B. der erste, der den ganzen Wert der mohammedanischen Traditionsliteratur für die Entwicklung der islamischen Kulturgeschichte erkannte und der die bedeutendsten, gelehrtesten und lehrreichsten Werke auf diesem Gebiete verfaßte. Aber Goldzihers wissenschaftliche Neigungen beschränkten sich nicht nur auf die islamische Welt und semitische Philox) Über denselben Gegenstand hat der Verfasser des obigen Artikels unlängst im Literary Supplement des Jewish Chronicle einen Aufsatz veröffentlicht. Auf unseren Wunsch hat er sich bereit finden lassen, diesen für unsere Zeitschrift in erweiterter Form umzuarbeiten und auch eine biographische Skizze über Professor Goldziher hinzuzufügen, in der viele Angaben enthalten sind, die noch nicht in der Öffentlichkeit bekannt geworden sind. Professor Yahuda, der seine Edition des arabischen Originals von Bachyas „Herzenspflichten" (Choboth-Hairbaboth, Leiden 1912) Goldziher gewidmet hat, betrachtet sich als einen geistigen Schüler Goldzihers und gehörte zu seinem engsten Freundeskreis. Während seiner häufigen Besuche bei Goldziher hat er, wie kaum ein anderer, Gelegenheit gehabt, die Bibliothek des berühmten Gelehrten sowie seine Persönlichkeit und Wirksamkeit aus der Nähe kennen zu lernen.

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