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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 9 · p. 540

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 9
Article
Von Wort und Sinn der biblischen Schöpfungsgeschichte
Date
1924-01-01
Page
540 (sequence 10)
Language
German
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540 Franz Kafka: häufigen Wiederkehr an höchster Stelle, nur überboten vom Versöhnungstag, der darum „Sabbath der Sabbathe" genannt wird. Der Sabbath bindet in höchster Weihe den Geist der Heiligkeit an das tägliche Geschehen. Alt jüdische Tradition deutet das Schlußwort des Sabbathgebotes, welches die Wurzel des Wortes „Nefesch" (Seele) in sich enthält, auf den Einhauch einer besonderen „Sabbathseele", und seine beiden verschiedenen Anfangsworte in den zwei biblischen Fassungen dieses Gebotes: ,,Gedenke" und „bewahre" auf das urmännliche Prinzip der Geistverbundenheit und das urweibliche der Heiligung der Natur. Und das Wort von der „Heiligung" desSabbaths selbst wird in Beziehung gebracht zu der gleichen Bezeichnung der ehelichen Angelobung. In vielfacher Symbolik wird in der Kabbalah, und auch sonst, der Sabbath identifiziert mit der Vollendung des „Friedens" — und Friede wird an diesem Tage selbst den Sündern nach dem Tode zuteil — und daher auch mit dem „Messias", mit der Schechinah, dem weiblichen Wiederglanz des Göttlichen in der Vielheit des Lebens, und mit dem Volke Israel, das seine höchste Bestimmung als die eines Sabbathvolkes empfindet. FRANZ KAFKA / APHORISMEN Aus dem Nachlaß Unsere Kunst ist ein von der Wahrheit Geblendet-Sein. Das Licht auf dem zurückweichenden Fratzengesicht ist wahr, sonst nichts. * Warum klagen wir wegen des Sündenfalls? Nicht seinetwegen sind wir aus dem Paradiese vertrieben worden, sondern wegen des Baumes des Lebens, damit wir nicht von ihm essen. * Das Unzerstörbare ist eines: jeder einzelne Mensch ist es, und gleichzeitig ist es allen gemeinsam, daher die beispiellos untrennbare Verbindung der Menschen. Seit dem Sündenfall sind wir in der Fähigkeit zur Erkenntnis des Guten und Bösen im wesentlichen gleich: trotzdem suchen wir gerade hier unsere besonderen Vorzüge. Aber erst jenseits dieser Erkenntnis beginnen die wahren Verschiedenheiten. Der gegenseitige Schein wird durch folgendes hervorgerufen: Niemand kann sich mit der Erkenntnis allein begnügen, sondern muß sich bestreben, ihr gemäß zu handeln. Dazu aber ist ihm die Kraft nicht mitgegeben, er muß daher sich zerstören, selbst auf die Gefahr hin, sogar dadurch die notwendige Kraft nicht zu erhalten, aber es bleibt ihm nichts anderes übrig als dieser letzte Versuch. (Das ist auch der Sinn der Todesdrohung beim Verbot des Essens vom Baume der Erkenntnis; vielleicht ist das auch der Sinn des natürlichen Todes). Vor diesem Versuch nun fürchtet er sich; lieber will er die Erkenntnis des Guten und Bösen

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