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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 9 · p. 530

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 9
Article
Die Frau im Tempel und in der Synagoge
Date
1924-01-01
Page
530 (sequence 8)
Language
German
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530 Salomon Schechter: Die Frau im Tempel und in der Synagoge eine solche Vorleserin in jeder Synagoge, und wie ich gehört habe, ist die Einrichtung selbst in London keineswegs unbekannt. Die verschiedenen Gebetbücher, die den hebräischen Text mit deutsch-jüdischer Übersetzung enthalten und die in häufigen Auflagen in Rußland erscheinen, sind größtenteils für diese betenden Frauen bestimmt. Nicht uninteressant ist die Titelseite der jüdisch-deutschen Übersetzung und Gebetsammlung von R. Aaron ben Samuel, die anfangs des 18. Jahrhunderts erschienen. Er wandte sich an die jüdische Öffentlichkeit mit folgenden Ausdrücken: „Meine lieben Brüder, kauft dieses liebliche Gebetbuch, das zuträglich für Körper und Seele ist, welches nie in solchem deutschen Druck erschien seit der Erschaffung der Welt, und veranlaßt, daß eure Frauen und Kinder es oft lesen, so werden sich ihre Körper und Seelen erfrischen, denn dieses Licht wird in all eure Herzen scheinen. Sobald die Kinder es lesen, werden sie ihre Gebete verstehen, durch die sie diese und die zukünftige Welt genießen werden/4 Ein früherer Übersetzer des Gebetbuchs wendet sich direkt an die „frommen Frauen", die er einlädt, sein Buch zu kaufen, „in dem sie sehr schöne Dinge finden werden". Spätere Jahrhunderte scheinen sich im allgemeinen durch die Anzahl der betenden Frauen auszuzeichnen. Die Tugenden, die den Anspruch auf religiöse Auszeichnung erheben, waren Sittsamkeit, Mildtätigkeit und tägliche Anwesenheit in der Synagoge, morgens und abends. In den Gedenkbüchern sind hunderte von solchen Frauen erwähnt. Manche hatten die Gewohnheit „Fransen" zu knüpfen, die sie ihren Freundinnen schenkten; andere fasteten häufig, während die „Alte Hichele" nicht nur jeden Tag in der Synagoge zugegen und mildtätig gegen arm und reich war, sondern auch noch die Kunst der Geburtshilfe verstand, die sie in der Gemeinde ausübte, ohne für ihre Dienste eine Bezahlung anzunehmen. Nach Rabbi Ch. J. Bachrach sagen die Frauen auch das Kaddischgebet in der Synagoge, wenn ihre Eltern keine männliche Nachkommen hinterließen. Indem ich diesen unvollständigen Entwurf abschließe, muß ich vielleicht noch die Konfirmation der Mädchen erwähnen, die in diesem Jahrhundert von einigen Gemeinden in Deutschland eingeführt wurde, etwas, was die „Reformrabbiner" gut heißen, während die „orthodoxen" Rabbiner es mißbilligten. Er wäre gut wenn in der Hitze solcher Gegensätze beide Seiten sich an die Worte des R. Zedekiah ben Abraham von Rom erinnerten, der hinsichtlich einer gewissen Meinungsverschiedenheit in einigen religiösen Fragen sagt: „Jeder erhält für die Sache, von der er überzeugt ist, daß sie richtig sei, den Lohn Gottes, wenn diese Überzeugung kein anderes Motiv hat als die Liebe zu Gott."

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