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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 9 · p. 497

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 9
Article
England, Arabistan und Erez-Israel
Date
1924-01-01
Page
497 (sequence 1)
Language
German
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HERMAN GLENN / ENGLAND, ARABISTAN UND EREZ^ISRAEL1* Wir sehen in jener berühmten Deklaration, mit der das damals noch nicht siegreiche, noch mitten im nur halb entschiedenen Ringen befangene England dem jüdischen Volke ein öffentliches Anrecht auf Palästina zuerkannt hat, trotz aller Einwände der auf nackte „Realpolitik" Eingeschworenen doch noch auch einen Ausdruck der letzten Endes entscheidenden seelischen Mächte, die über dem bloßen Wüten geschichtlicher Menschenkraft ein aufbauendes überindividuelles Prinzip bejahen und suchen — am ehesten noch das Prinzip der ewigen Gerechtigkeit des Reiches Gottes. Womit jedoch nicht gesagt sein soll, daß die britische Anerkennung Palästinas als jüdischen Heimbodens nicht zugleich ein derart eminent realpolitischer Schachzug der Weltpolitik Englands gewesen ist, daß daneben sehr viel breitere und geräuschvollere politische Schritte der letzten Geschichtsjahre in ihrer scheinbar größeren Bedeutung verblassen. Gibraltar, Malta und Zypern geben von drei Seiten Schlüssel zur Macht in jenem Mittelmeer, das noch immer den eigentlichen Mittelpunkt der Alten Welt bedeutet. Nach der vierten Seite lag aber der Weg nach Indien offen; wäre England dadurch im großen Kriege beinah um seine Weltstellung, zumindest um Ägypten, gebracht worden, könnte es in einem *euen Weltkriege — den die Stupidität der letzten europäischen Kulturentwicklung mit automatischer Notwendigkeit heraufbeschwört — definitiv aus den Angeln gehoben werden. Denn wer Palästina im neuen Weltkriege haben wird —wirklich haben, nicht nur nominell, wie die alte Türkei das Land gehabt hatte — der wird auch Ägypten und Indien beherrschen. Aber das Problem Palästina ist für England absolut verschieden von demjenigen jener anderen strategischen Schlüssel, die den Zugang ^um Suezkanal schützen. Meerengen bedürfen im Notfalle nur einer gesicherten Flottenbasis, und die früheren Positionen haben dazu in hohem ^asse bereits genügt. Das Hinterland Palästinas aber bilden Kolonialeiche — wenn auch seit kurzem aus dem Zerfall der früheren Türkei halb selbständige Gebilde zwischen Ägypten und Indien entstanden sind; und Kolonialreich von heute ist nicht anders zu halten als durch Intensivierung der Kolonisation. « « ««_ Wo eine Kolonie durch natürliche Reichtümer, ja durch Uberreichtum, 3e Ansiedlung hundertfach lohnte, da haben englische Pioniergenerationen l) Aus einer demnächst erscheinenden Schrift des Verfassers: „Der jüdische Staat". Heft 9. 32

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