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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 8 · p. 489

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 8
Article
Die jüdische gewerbliche Arbeit in Polen
Date
1924-01-01
Page
489 (sequence 2)
Language
German
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Umschau: Wirtschaft 489 schiedenen Betriebsgrößen und Produktionsmittel. Überdies ist für die Kinderarbeit nur die obere Grenze (15 Jahre) angegeben, während es doch richtiger wäre, die Grenze nach unten festzustellen, das heißt mitzuteilen, von welchem Lebensjahre an die Kinderarbeit anfängt. Die bereits vorliegenden 4 Bände umfassen die Städte Warschau, Lodz und Bialystok samt den gleichnamigen Wojewodschaften. In diesen Gebieten befinden sich über 35 000, d. h. die Hälfte aller erfaßten Betriebe. Zieht man in Betracht, daß es sich um di 1 Hauptstadt der Republik handelt, die zugleich nicht nur das größte jüdische Zent um, sondern auch das größte jüdische Arbeiterzentrum des Landes ist, ferner um die beiden großen Zentren der Textilindustrie, bekanntlich der einzigen mit modernen Produktionsmitteln arbeitenden Industrie, in der jüdische Arbeiter in immerhin nennenswerter Zahl vorhanden sind, so dürfte es nicht verfrüht sein, schon auf Grund dieses unvollständigen Materials zu versuchen, eine Charakteristik der jüdischen Arbeit herauszuarbeiten. Es ist nicht anzunehmen, daß die folgenden Bände unsere Schlüsse umstoßen oder auch nur als wesentlich revisionsbedürftig erweisen könnten. II. In welchen Zweigen der Produktion sind nun die jüdischen arbeitenden Massen vornehmlich beschäftigt? Die Antwort auf diese Grundfrage finden wir in der diesem Aufs atz beiged uckten Tabelle. (S. 490) Diese Tabelle ist auf Grund der Ziffern der Enquete, jedoch in anderer Anordnung zusammengestellt. Auch die Prozentberechnung ist von uns hinzugefügt. In seiner kleinen, überaus originellen Schiift „Die wirtschaftliche Entwicklung des jüdischen Volkes*' (deutsch im Verlag Poale-Zion, Berlin erschienen) teilt Borochow auf Grund der Theorie von Otto Efertz die Produktionsmenge je nach ihrer Naturnähe, d. h. nach der Rolle, die der Boden (die Natur) oder die Menschliche Arbeit in ihnen spielt, folgendermaßen ein: „Die ersten Produktionsstadien. Das sind also der Ackerbau, die Gärtnerei und die Viehzucht. Hier ist das , Boden '-Element das größere und das ,Arbeits'-Element vergleichsweise sehr klein. Etwas entfernter Ton der Natur steht schon die ,industrielle Urproduktion«, wie der Bergbau, die Steinbrüche, die Forstwirtschaft mit ihren Verzweigungen. Hier ist das Arbeitselement schon größer als in der vorigen Kategorie. Noch weiter sind die ,sekundären Mittelstadien der Produktion* der Natur entrückt. Dazu gehören die Metallindustrie, die Weberei, das Baugewerbe. Dem Verbraucher ganz nah und der Natur schon sehr fern, stehen die ,tertiären Mittelstadien4, wohin die bekannten jüdischen Industrien gehören, wie die Holzbearbeitung, die chemische, Leder- und Papierindustrie. Die ,letzten Produktionszweige* schließlich dienen direkt dem Verbraucher. Dieser Art sind solche traditionell jüdischen Berufe, in denen das Boden-Element verschwindend klein ist und die ganze Produktion im Arbeits- Element besteht." Wenn wir die Ziffern für jede der sechs administrativen Einheiten besonders analysieren, so springt vor allem die überall gleiche Bedeutungslosigkeit der Urproduktion in die Augen. Das ist eine für das jüdische Wirtschaftsleben aller Länder charakteristische Tatsache. Als zweite allen Gebieten gemeinsame Grundtatsache ist die große Rolle, welche die letzten Stadien der Produktion in der jüdischen gewerblichen Tätigkeit spielen, zu verzeichnen. Doch sind hier schon bedeutenden Verschiedenheiten vorhanden, die am schärfsten in den Ziffern der Warschauer Wojewodschaft (76,4%) und der Stadt Bialystok (44%) zutage treten. Hier erreicht diese Produktionsgruppe kaum den Prozentsatz der sekundären Mittelstadien. Es ist auch auf den ersten Blick klar, daß die besondere Bedeutung der letzten Stadien in erster Linie auf der Bekleidungsindustrie beruht (die — wieder mit Ausnahme der Stadt Bialystok — überall von allen Produktionsklassen an erster Stelle steht), und dann in weitem Abstände auf dem Ernährungs - und Genußmittelgewerbe. Auch diese Tatsache ist dem Kenner der ostjüdischen wirtschaftlichen Zustände nichts Neues. Ebenso weichen die Ziffern für die in der Gruppe „tertiäre Mittelstadien" zusammengefaßten Produktionsweige im allgemeinen von denen der anderen Ländern nur wenig ab. Diese beiden letzten Gruppen (tertiär-mittlere und letzte Stadien) umfassen ausnahmslos die Mehrheit der industriell arbeitenden Juden, in einzelnen Gebieten erreichen sie vier Fünftel der Gesamtzahl. Nimmt man den

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