Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 8
- Article
- Die kommunistische Bewegung in Erez Israel und der proletarische Zionismus
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 450 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3101111-3101201-3101209-3109546--7209-3109586- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
450 Walter Preuss: zwei Teilen dieses Programmes (über den dritten weiter unten) vor allem der zweite, Kampf gegen den Zionismus, in die Praxis umgesetzt wurde, während der erste nicht so einfach zu verwirklichen ist. Propaganda unter den arabischen Arbeitern ist immerhin schwieriger als unter jüdischen, und Mussa Kasim Pascha hat bisher sichtlich nicht das nötige Verständnis für das Bündnis mit den jüdischen Kommunisten bewiesen. Die zionistische Bewegung in all ihren Schattierungen hat dieser Politik gegenüber ihren Weg zu wählen. Es ist aber, und das sei an dieser Stelle noch einmal mit aller Deutlichkeitbetont, eine grundsätzlich andere Frage, wie sich die jüdische nationale Freiheitsbewegung zur Politik Sowjetrußlands im ganzen als Politik des russischen Staates zu stellen hat. Es ist gar keine Frage, daß, zum mindesten theoretisch, die Möglichkeit besteht, von Seiten Sowjetrußlands und der wirklichen russischen Kommunisten Anerkennung der nationalen Bedingungen und Notwendigkeiten des jüdischen Volkes zu erlangen, nicht weniger als kaukasische, georgische, sibirische und andere Völker sie erlangt haben, denn es besteht ein heute nur durch die Politik der jüdischen Kommunisten verwischter, aber tatsächlich vorhandener, psychologischer Gegensatz zwischen jüdischen und nichtjüdischen Kommunisten gegenüber dem Zionismus, der all denen deutlich fühlbar wurde, denen es gelang, die chinesische Mauer, die die Jewsektia um die jüdische Frage errichtet hat, zu durchbrechen. Hindernd steht dazwischen das Zerrbild des kommunistischen Assimilationsjuden, dessen Psyche nicht anders ist als die der Karikaturen derer um Naumann und Sylvain Levy. Es ist Aufgabe der zionistischen Bewegung in allen ihren Schattierungen, mit voller politischer Objektivität, abseits von allen Interessen der Pasmanik und sonstiger bourgeoiser Zionisten dieses Genres in Berlin und Paris, alle Verschiebungen im politischen Machtgefüge zu beobachten und die Stunde zu erfassen, in der das jüdische Volk als Gegenkontrahent gegenüber dem russischen auftreten kann, auch wenn heute diese Stunde recht entfernt scheint. Die zielbewußte Entlarvung der Assimilation auch im kommunistischen Gewände kann vielleicht schneller zu einem politischen Faktor ersten Ranges werden, als es heute scheint. Hier liegt auch die potentielle Bedeutung des Kleinkrieges in Erez Israel, der sich heute, im wesentlichen in den Reihen der ,,Histadruth haclalith", als nächstem und bequemstem Kampffelde, abspielt. Denn in Ermangelung eines direkten Zielobjektes unter den Arabern entlädt sich die überschüssige Energie der „Kommunistischen Partei Palästinas" vollkommen im Kampf gegen die jüdische Arbeiterschaft. Und es gibt wohl kein Mittel der Störung, des Skandals, der Verleumdung, des Verrats, das in diesem Kampfe nicht angewandt worden wäre. Zu Hilfe kommt natürlich jeder Zustand der Arbeitslosigkeit und der Verzweiflung, der irgendwann im Lande entsteht. So sehen wir, zu gewissen Zeiten, unter allen möglichen Lockungen gefangene Gruppen und Einzelne als Parteigänger des Dutzends zielbewußter Führer im Lande; teils Elemente, die sich überhaupt gern an Krawallen beteiligen, teils verelendete Sephardim, Grusinier usw., von denen es einige Hundert im äußersten Elend besonders in Jerusalem gibt; Elemente, die nichts