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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 8 · p. 446

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 8
Article
Die kommunistische Bewegung in Erez Israel und der proletarische Zionismus
Date
1924-01-01
Page
446 (sequence 2)
Language
German
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446 Walter Preuss: Es ist dringend notwendig, sich Ziele und Absichten, Umfang und Aussichten der im Lande trotz aller Verschleierungen existierenden kommunistischen Bewegung klarzumachen, nicht weniger, als wir uns mit anderen Problemen auseinandersetzen. Das bedeutet nicht, die Grundzüge einer zionistischen Politik gegenüber Sowjetrußland aufzuzeichnen, das uns in diesem Zusammenhang nur indirekt interessiert, sondern der Bewegung gegenüber, soweit sie in Palästina selbst als politischer Faktor im arabischen und jüdischen Lager auftritt. Die jüdische Arbeiterbewegung in Erez Israel hat zu diesen Dingen in erster Reihe Stellung zu nehmen, denn sie ist naturgemäß innigst mit allen Erscheinungen in der Arbeiterschaft verknüpft und reagiert als feiner Seismograph auf alle Strömungen, auch auf die zahlenmäßig wenigst bedeutsamen, die sich in ihrem Bereiche bemerkbar machen. Es ist für die jüdische Arbeiterschaft, in gleichem Maße als zionistischer wie als proletarischer Erscheinung, von äußerster Wichtigkeit, die Folgerungen aus einer nüchternen, aber bewußten und klaren Überlegung zu ziehen und zielbewußte Entscheidungen zu fällen. Und diese Entscheidung, über die noch weiter unten zu sprechen sein wird, hat die ,,Histadruth clallith", die ,,Allgemeine Organisation der Jüdischen Arbeiter Palästinas" in ihrer letzten allgemeinen Beratung nach reiflicher Überlegung gefällt; dieser Entschluß ist der aktuelle Anlaß zu den folgenden Betrachtungen eines wichtigen und tiefen Problems der heutigen allgemeinen Politik. Die kommunistische Bewegung in Palästina ist nicht aus ihrem geringen Umfang heraus zu begreifen und nicht aus ihrer heutigen (und morgigen) geringen Bedeutung (wenn man ihre Poiltik zu werten und zu behandeln versteht), sondern aus dem Weltzusammenhang des Problems. Es muß zunächst einfach betont werden, daß es heute kein Land in der Welt gibt, auch nicht im Vorderen Orient, in dem nicht die kommunistische Frage irgendwie vorhanden wäre; es ist also nicht würdig, verlegen so zu tun, als ob gerade Erez Israel eine Ausnahme bilde. Palästina, als Teil des Vorderen Orients, gehört in den Kreis derjenigen Länder, für die das Rußland der Sowjets eine einheitliche politische Formel seiner Politik aufgestellt hat. Diese Politik ist, nach der Meinung ihrer Urheber, den Interessen der vorhandenen oder konstruierten proletarischen Klasse des betreffenden Landes (oder Länderkomplexes) angepaßt, in Wirklichkeit aber infolge der eigentümlichen geschichtlichen Verquickung der Geschehnisse in erster Reihe zentrorussisch orientiert, d. h. in unlösbarer Verquickung den Interessen Rußlands als Staat an sich und Rußlands als Sowjetstaat dienstbar gemacht. Und hier, bereits an der Wurzel, zeigt sich der dialektische Widerspruch zwischen einer Politik, die auch die Interessen der proletarischen Schichten jedes Volkes aus ihrer historischen Lage heraus bejaht und einer zwar einheitlichen, aber ausschließlich nach einem Zentrum gravitierenden, und diesem die Interessen der Wirklichkeit unterordnenden Strategie. Spielen hier noch außergewöhnliche Faktoren, und solche sind naturgemäß in der entwurzelten, instinktlosen und theore-

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