Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 399 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Albert Maurüber: Jerusalem 399 listische Partei seit der Kopenhagener internationalen sozialistischen Konferenz hatte, gehörten 7 den S. R. und hiervon bloß eine den Sejmisten, 3 den Gewerkschaften, 7 der R. S. D. A. P., eine der lettischen sozialdemokratischen Partei und nur 2 dem „Bund". So kann man denn getrost behaupten, daß das jüdische Proletariat bis zum Ausbruch des Weltkriegs gar keinen Einfluß auf die internationale sozialistische Bewegung auszuüben vermochte. Erst die Kriegsjahre sollten auch hierin, knapp vor dem Niedergang der zweiten Internationale, eine bedeutende Änderung bringen. ALBERT MAURÜBER / JERUSALEM (Aus dem „Palästinensischen Tagebuch".) In Bittir stieg leise in mir Erregung auf. Ich stand am Fenster und suchte den oberen Teil der Berglehne nach den Öffnungen im Fels ab: in einer dieser Höhlen hat Bar Kochba den letzten Kampf gekämpft, dort sind Münzen gefunden worden, die er hatte prägen lassen. Während dieses historische Datum mir zum Bewußtsein kommt und die Sinne ihren Dienst tun, zu melden, daß das Tal an dieser Stelle schmal ist und daß zu beiden Seiten auf Terrassen Wein und Gemüse gebaut werden, daß jedes Stückchen Erde erst hierhin geschafft werden mußte und der Mensch damit und darauf — trotz dem nackten Fels — eine bewundernswerte Arbeit geleistet hat, — die der Verstand zu dem Erfahrungssatz verwendet, man brauche vor Felsen nicht kleinmütig zu werden als Wirtschaftender —, während die Sinne registrieren und der Verstand logisch schließt, verteilt sich die Erregung in allen Gliedern. Eine dünne, zitternde Stimme beginnt in mir zu stammeln. Ich höre sie. Ich höre ihr zu und erliege ihrer Suggestionskraft. Die europäische Ruhe verläßt mich, ich verliere die Fassung, jenes dem Leben feindliche Produkt der bürgerlichen Gesellschaftserziehung, und versinke in neue, heilsame Fassungslosigkeit, in eine Nachdenklichkeit, die wie Betäubung ist. Der kommende Gedanken nimmt seinen Weg weither aus den verborgensten Zellen, aus dem Äther des noch nicht persönlich gewordenen Lebens, das unser persönliches Werden umfließt und ihm den Stoff der Erneuerung liefert. Dieser Gedanke, der kommen soll und unterwegs ist, der sich gleich einer Bienenkönigin hoch in die Luft schwingen und unter der Sonne befruchten lassen soll, bricht sich Bahn, versammelt die verfügbaren Kräfte des Organismus um sich, und davon ist eine unerkennbare Bewegtheit in mir wie in einem Bienenhause. Der Zug fährt langsam durch ein Waadi; Hügel und Dörfer tauchen auf und verschwinden; das Auge trifft Seidentücher von Farben, die festhalten; Thalpioth wird; sichtbar; die deutsche Kolonie; der Bahnhof; Staubwolken. .. Und dann gehe ich auf einer grauweißen Straße, zwischen spärlichen Ölbäumen, die grau sind vom Staube, unter einem grauen Himmel. Hinten